Du betrachtest gerade Tod unter Wacholdern (Jo Ann Martin)

Tod unter Wacholdern (Jo Ann Martin)

Der erste Eindruck: Mehr als nur Idylle

Wer bei einem Eifel-Krimi nur an gemütliche Schunkel-Morde und kauzige Dorfpolizisten denkt, wird von Jo Ann Martins Debüt Tod unter Wacholdern positiv überrascht. Natürlich spielt die Landschaft eine zentrale Rolle – die malerischen Wacholderhaine und die Vulkaneifel sind atmosphärisch dicht eingefangen. Aber dahinter verbirgt sich ein überraschend komplexer Plot, der weit über die übliche „Wer war’s?“-Frage hinausgeht.

​Worum es geht

In einem Naturschutzgebiet nahe dem Eifeldorf Loogh wird eine Leiche gefunden – grotesk drapiert auf einer Bank mit bester Aussicht. Ein Bild, das sofort hängen bleibt. Hauptkommissar Leo Werner aus Daun übernimmt die Ermittlungen in einem Fall, der ihn eigentlich gar nichts angeht, und stößt dabei auf die typische Eifeler Mauer des Schweigens: Die Dorfbewohner wissen anscheinend immer mehr, als sie der Polizei verraten.

​Spannung bringt vor allem die „Zivilistin“ Alex Cameron in die Geschichte. Die Biologin (ein beruflicher Hintergrund, den sie offenbar mit der Autorin teilt) ist gerade dabei, ein altes Haus zu renovieren und mischt sich mit ihrer Neugier und analytischen Art in die Ermittlungen ein.

​Was das Buch besonders macht

1. Starke Figuren statt Schablonen
Besonders Alex Cameron hat mich überzeugt. Sie ist keine klassische „Miss Marple“, sondern eine moderne, tatkräftige Frau mit Fachwissen, die Dinge hinterfragt. Auch das Zusammenspiel mit den Dorfbewohnern ist herrlich beobachtet. Man merkt, dass die Autorin die Eifel und ihre Menschen kennt, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen. Die Charaktere haben Ecken und Kanten, und nicht jeder ist sympathisch – was die Geschichte umso glaubwürdiger macht.

2. Gesellschaftliche Themen mit leichter Hand
Das Buch ist nicht nur Krimi, sondern verhandelt nebenbei Themen wie Naturschutz, Dorfgemeinschaft und Veränderung. Die Autorin schafft es, ihr ökologisches Fachwissen einfließen zu lassen, ohne dass es belehrend wirkt. Es ist dieser Mix aus lokaler Verankerung und relevanten Themen, der dem Buch Substanz verleiht.

3. Spannung durch Vielschichtigkeit
Es geht nicht nur um einen Mord. Jo Ann Martin flicht geschickt mehrere Handlungsstränge ineinander. Es gibt Momente, in denen man als Leser glaubt, den Durchblick zu haben, nur um dann festzustellen, dass die Dynamik im Dorf noch eine ganz andere Ebene hat. Der Schreibstil ist dabei klar, flüssig und angenehm unaufgeregt, was einen stetigen Lesesog erzeugt.

​Fazit

Tod unter Wacholdern ist ein gelungenes Debüt, das frischen Wind in das Genre der Regio-Krimis bringt. Es ist spannend, intelligent konstruiert und atmosphärisch stark. Wer Krimis mag, die nicht nur durch Blutvergießen, sondern durch kluge Beobachtung und lebendige Charaktere punkten, wird hier bestens bedient.

Meine Wertung: 5 von 5 Sternen – Eine klare Leseempfehlung für alle, die Spannung mit Lokalkolorit und Hirn suchen

Peter Brendt

Wir haben Productive Books gegründet, um eine Plattform zu schaffen, auf der Autoren und Leser zusammenkommen können, um die Freude am Lernen und Entdecken zu teilen. Im #bookstagram_magazine können Leser neue Bücher entdecken und ehrliche Rezensionen finden. Außerdem werden hochwertige Kinderbücher, Sachbücher und Belletristik produziert und auf der Website präsentiert.

Schreibe einen Kommentar