Mitte April war ich in Rosenheim. Die dortige Buchmesse geht ein ganzes Wochenende, und da es von mir aus weniger als eineinhalb Stunden Fahrt sind, konnte ich wunderbar alles ohne Hotelkosten durchziehen.
Der Nachteil war: Ich musste durch Bad Tölz. In dem Landkreis scheinen Führerscheine per Losverfahren vergeben zu werden. Zumindest hätten die Typen, die mir halb im Kofferraum saßen und sich aufgeregt haben, dass ich mich an die Geschwindigkeiten gehalten habe (incl. irrwitziges Überholen und dann grundloses Auf-die-Bremse-springen) in keiner seriösen Fahrschule die Prüfung bestehen dürfen. Nun ja, ich hab’s überlebt.
Oben sehen Sie den Drachen, der den Eingang zum Fantasy-Saal bewachte. Ich hatte erst Sorgen, dass womöglich viele den Weg nicht finden. Wir Phantasten waren nämlich außerhalb des Hauptgebäudes im Neubau des Gasthof Höhensteiger untergebracht, und als ich ankam, musste ich schon etwas suchen, bis ich den gefunden hab. Natürlich hatte ich auf der falschen Seite geparkt und musste alles durch den weitesten denkbaren Weg karren. War ja klar.
Ganz am Anfang der Messe schienen sich meine Befürchtungen zu bestätigen, aber es dauerte einfach nur etwas, bis die Besucher erst den Hauptsaal durch hatten und danach zu uns kamen. Dann war es auch bei uns ganz nett, auch wenn es immer wieder arg ruhige Phasen gab. Am Ende hieß es, man hätte mindestens 800 Besucher gezählt, wobei sicher nicht alle erfasst wurde. Gehen wir also mal von tausend aus.
Dass man uns ausgelagert hat, war verständlich, sobald man mal einen Blick in den Hauptsaal warf:

Da gab es dann noch einen kleinen zusätzlichen Bereich, der quasi links von mir war, als ich obiges Photo aufgenommen habe:

Als ich ankam, waren schon viele andere Aussteller eifrig mit dem Aufbau beschäftigt. Meine direkten Standnachbarn allerdings ließen sich erst eine ganze Weile später blicken. Das hatte den großen Vorteil, dass ich deren Tisch erst mal ein wenig mitnutzen konnte. Ich rücke inzwischen mit sechs kleineren und einer großen Eurobox an, das ist eine Menge Kram. Das muss ich auch unbedingt für zukünftige Messen überdenken. Es gehen ja praktisch nur erste Bände bzw. im Falle von Lias Wahrheit Einzelbände raus. Eigentlich Unsinn, dann recht viele Folgebände mitzuschleppen.
So sah das dann im Fantasy-Saal aus, bevor Stefan und seine Frau ankamen:

Der Autor in der Mitte, der da sitzt und anscheinend irgendetwas liest, ist Tobias Fischer. Er muss irgendwie mit dem Orga-Team verbandelt sein, denn seine Aufgabe war es, alle halbe Stunde die Lesungen anzukündigen.
Als ich mit dem Aufbau fertig war, sah das Ganze dann so aus:

Eigentlich war ich ganz begeistert, den vordersten Tisch in der Mittelreihe zu haben, auf den der Blick aller Besucher eigentlich sofort fallen musste, wenn die den Raum betraten. Es stellte sich allerdings heraus, dass die Menschen offenbar von den Supermärkten schon perfekt konditioniert sind. Praktisch alle sind sofort rechts abgebogen, und viele haben eine Runde an den äußeren Ständen gedreht und uns in der Mitte praktisch ignoriert. Sehr eigenartig.
Der leere Tisch neben mir füllte sich dann doch noch. Stefan Beranek und seine Frau kamen spät, aber rechtzeitig. Und schwer bewaffnet:

Sehr angenehme Tischnachbarn, muss ich sagen. Wir haben uns immer wieder nett unterhalten, gegenseitig auf die Tische aufgepasst, wenn man mal weg musste usw. Stefan hat eine Reihe in vier Bänden geschrieben: „Das Artefakt des Weisen“. Außerdem einen Einzelband und einen mit Kurzgeschichten. Alles wohl eher High Fantasy, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Aber lesen SIe das am besten selbst nach. Hier seine Homepage.
Ach … sowohl Schwert als auch Kampfaxt waren natürlich stumpf. Allerdings könnte man mit den Dingern auch so schon einigen Schaden anrichten.
Im Hintergrund obigen Bildes sieht man unter anderem den Stand von Hedy Loewe. Sie habe ich schon ein paarmal auf Messen gesehen, aber erst jetzt kamen wir auch mal ins Gespräch. Hedy schreibt sowohl Fantasy als auch Science Fiction, daher kam sie auch in einem etwas futuristischen Outfit:

Ich sehe auf ihrer Homepage, dass wir uns wohl auch in Ingolstadt, München und Augsbuch wieder über den Weg laufen werden. Diese Buchmessen werden immer mehr zu einem Treffen von Freunden und alten Bekannten. Sehr schön!
Wo ich grad dabei bin. Auch beide Birgits habe ich getroffen. Sowohl Birgit Arnold als auch Birgit Constant kamen Samstag früh mal kurz rüber in den Fantasy-Saal, um Hallo zu sagen. Birgit Arnold wohnt ja bei mir im Dorf, keine fünf Minuten zu Fuß entfernt. Sie schreibt gerne über alte Sagen oder lässt sich von denen zu ihren Geschichten inspirieren. Birgit Constant dagegen ist Historikerin und schreibt „historische Romane für Sprachbegeisterte“. So steht es zumindest auf ihrer Homepage.
Ich hatte leider keine Zeit für einen Gegenbesuch, aber das wird bei passenden Gelegenheiten noch nachgeholt.
Wie schon gesagt, die Messetage begannen immer eher ruhig, bis die Besucher den Hauptsaal gesehen hatten und nach hinten zu uns kamen. Dann aber gab es viele nette Gespräche und auch so einige Käufe.
Wir Autoren sind ja schon ein buntes Völkchen. Manche kommen in richtigen Kostümen, andere in ihrer ganz normalen Alltagskluft, und ich hab mir ja angewöhnt, immer ein Oberhemd zu tragen. Nein, Krawatte nicht, so was kommt mir höchstens zu Beerdigungen an die Gurgel. Alleine mit dem Hemd steche ich sehr aus den anderen hervor. So ändern sich die Zeiten, noch vor einigen Jahrzehnten wäre das Pflicht gewesen und schon ein einfaches T-Shirt als zu leger aufgefallen.
Aber auch die Besucher sind sehr gemischt. Manchmal wird einem auch wieder vor Augen geführt, wie schnell man Leute falsch einschätzt. So hatten z.B. Stefan und seine Frau (ich hab leider ihren Namen gar nicht mitbekommen) neben mir so einige Besucher aus der Gegend. Darunter zwei Damen von – ich hoffe, ich tue ihnen nicht Unrecht – sicher siebzig Jahren. Was soll ich sagen? Eine von ihnen hat meinen Kurt mitgenommen. Hat mich gewundert – und natürlich gefreut. Er war auch auf dieser Messe übrigens das meistverkaufte Buch (also … bei mir, klar). Hab gleich Sonntag Abend beim Verlag wieder Nachschub geordert. Ich hoffe, er gefällt ihr.
Ebenfalls interessant war die Begegnung mit einem jungen Mann: Geschätzt Mitte zwanzig, Vollbart, lange Haare, und auch von den Klamotten her hätte ich ihn problemlos beim Wacken-Festival eingeordnet. Wir haben uns ein Weilchen unterhalten, und nach einer Runde durch den Saal kam er an und wollte den ersten Band der Abartigen. Zur Vorsicht wirklich erst mal nur den ersten Einzelband, nicht gleich einen dicken Sammelband. Okay, soweit nicht ungewöhnlich. Aber dann packt der tatsächlich Zeitungspapier aus, um das Buch vorsichtig darin einzuschlagen. Ich habe echt noch nie jemanden so sorgsam mit gekauften Büchern umgehen sehen. Klasse!
Hier übrigens jemand, der auch einen ziemlichen Kontrast zu mir mit meinem weißen Oberhemd abgab:

Dieser freundliche junge Mann mit Tätowierungen, großen Ringen in den Ohren und der Gruseldeko nennt sich Mark Fear. Ich schätze, das ist ein Pseudonym, das zu seinen grusligen und dystopischen Büchern passt. Leider hat er wohl keine richtige Homepage, auf die ich verlinken könnte. Er hatte an seinem Stand mehrere Hinweise darauf, dass seine Bücher menschengemacht sind und keinen KI-Müll enthalten. Auf diese Hinweise habe ich verzichtet, es ist allerdings auch bei mir der Fall. So was kommt mir nicht auf oder zwischen die Buchdeckel.
Auch ich hatte übrigens Besuch von einer alten Freundin. Wir waren zusammen in der Schule, kennen uns also schon seit über vierzig Jahren. Sie kam zusammen mit ihrer Tochter. Zu meiner Schande muss ich sagen: Ich hab sie erst mal gar nicht erkannt. Da kam jemand in den Saal, lächelte mich freundlich an, ich lächelte freundlich zurück und wandte mich dann anderen Leuten zu. Plötzlich hinter mir: „Der Sascha erkennt einen auch nicht“. Na ja, dann war mir klar, wer das war. Ich hatte sie erst am Sonntag erwartet. Peinlich, peinlich. Aber ich hab halt wirklich ein hundsmiserables Personengedächtnis. Und wir hatten uns fast zwanzig Jahre nicht gesehen. Entweder seit meiner oder seit ihrer Hochzeit. Nun ja, sie war mir nicht böse. Und am Ende hat sie sogar zwei Bücher gekauft, um sie anderen zu schenken. Vielleicht kriege ich da sogar mal eine Rückmeldung, wie’s gefallen hat.
Ach, hier übrigens noch zwei Nachbarinnen, die links von mir ihre Stände hatten: Emma Male und Petra Profant.

Petra Profant schreibt laut ihrer Homepage „Fantasy mit Abgrund und Abenteuer“, während Emma Male in der romantischen Ecke unterwegs ist. Romantasy, die hier in Oberbayern spielt, in München und an verschiedenen Seen. Leider finde ich zu Emma wieder keine Homepage.
Am Sonntag hatte ich ja auch eine Lesung. Aus meinem neuesten Machwerk, Lias Wahrheit, einem Krimi, der in der Welt der Abartigen spielt. Obwohl am Sonntag Sauwetter herrschte, inklusive Blitz, Donner und Platzregen, waren leider außer Stefans Frau nur drei weitere Zuhörer da. Eine Autorin, die vor mir gelesen hat, ein Herr, der nicht zu erkennen gab, wie es ihm gefiel, und noch eine Dame, die eigentlich keine Fantasy liest. Immer wieder interessant, diese Aussage.
Nach der Lesung meinte letztere, das habe dann doch sehr interessant geklungen, und vielleicht wolle sie sich das Buch mal ansehen. Die Autorenkollegin kam später noch an meinen Stand und hat ein Lesezeichen mitgenommen. Angeblich habe ich gut gelesen. Schön, nur hätten es doch ein paar mehr Zuhörer sein dürfen. Die Lesungen am Samstag waren besser besucht, obwohl da bestes Wetter herrschte und viele im Biergarten gleich nebenan saßen. Tja nun … Pech.
Eine besondere Begegnung muss unbedingt noch erwähnt werden: Ich durfte eine Widmung für die Bücherei Oberwöhr schreiben. Dort wird mein Kurt 1 dann vermutlich so ab Juni stehen. Das ist übrigens ein Stadtteil von Rosenheim. Ich hab darum gebeten, mir ein Beweisphoto zu schicken. Mal sehen, ob die Damen dran denken.
Das heißt … Moment! Das Netz sagt, das ist eine katholische Pfarrbibliothek. Wow. Das wird interessant. Ob sie Kurt wirklich ins Regal stellen? Ausgerechnet? Das muss ich unbedingt in Erfahrung bringen. 😉
Trotz der etwas enttäuschenden Lesung war die Messe alles in allem schön, und ich kann mich wieder über ein paar neue Leser freuen. Nächstes Jahr wollen die Organisatoren das Ganze – aufgrund der hohen Nachfrage – noch größer aufziehen. Wir gehen dann in die Auerbräu-Festhalle auf der Loretowiese in Rosenheim. Wir, denn ich werde mich auf jeden Fall gleich dafür anmelden. Siehe hier:

Ich bin gespannt, wie das dann wird, und freue mich schon jetzt darauf. Hier übrigens noch die Homepage der Messe mit allen möglichen Infos.
Nun steht aber erst mal die Messe „Seitenzauber“ in Ingolstadt an. Am 2. Mai im Stadttheater. Weitere Infos dazu finden Sie hier.
Sehen wir uns?
Ältere Messe- und Lesungsberichte finden Sie übrigens hier auf meiner Homepage.
