Ab dem 2. August 2026 gelten in Europa neue, strengere Regeln für Künstliche Intelligenz: der sogenannte EU AI Act. Da du im Selbstverlag (Self-Publishing) dein eigener Chef und Verleger bist, trägst du auch die volle rechtliche Verantwortung für deine Bücher. Wenn du KI-Tools nutzt, musst du ab diesem Datum genaue Spielregeln beachten.
Dieser Leitfaden zeigt dir ganz unkompliziert, wann du KI-Inhalte in deinen Büchern offenlegen musst und wann nicht.
1. Die Grundregel: Ehrlich währt am längsten
Das Hauptziel des Gesetzes ist Transparenz. Leserinnen und Leser sollen nicht hinters Licht geführt werden. Sie haben das Recht zu erfahren, ob ein Text oder ein Bild von einem Menschen oder von einer Maschine erschaffen wurde.
Wenn also wichtige Teile deines Buches – wie der Text, die Grafiken oder das Cover – direkt von einer KI (wie ChatGPT, Midjourney oder ähnlichen Tools) erstellt wurden, musst du das klar und deutlich angeben.
2. Wo läuft die Grenze?
Du musst KI nicht komplett aus deinem Autorenalltag verbannen. Das Gesetz unterscheidet sehr genau, wie du die Technik nutzt:
Erlaubt ohne Hinweis (KI als Assistent)
Wenn die KI dir lediglich unter die Arme greift, das Werk aber im Kern aus deiner eigenen Feder stammt, brauchst du keinen Hinweis im Buch. Dazu gehört:
- Fehlersuche & Stil: Die Nutzung von Programmen, die deine Grammatik prüfen oder Formulierungen flüssiger machen (z. B. DeepL Write, LanguageTool).
- Ideen & Recherche: Wenn du eine KI nutzt, um den Plot zu planen, nach historischen Fakten zu suchen oder Ideen für Charaktere zu sammeln.
- Übersetzung mit Nacharbeit: Wenn eine KI deinen Text übersetzt, du das Ergebnis danach aber Satz für Satz selbst überarbeitest und korrigierst.
Pflicht zur Kennzeichnung (KI als Schöpfer)
Du musst einen Hinweis anbringen, sobald die KI die eigentliche kreative Arbeit für dich übernimmt:
- KI-Texte: Ganze Absätze, Kurzgeschichten oder Sachbuch-Kapitel wurden von der KI geschrieben und von dir ohne große Änderungen übernommen.
- KI-Cover & Bilder: Das Buchcover oder Illustrationen im Innenteil wurden mit Bild-KIs (wie Midjourney, DALL-E oder Adobe Firefly) erzeugt.
- Künstliche Stimmen: Wenn du ein Hörbuch mit einer täuschend echten, am Computer generierten Stimme (Deepfake/synthetische Stimme) erstellen lässt.
3. Die Ausnahme für Romane und Kunst
Gute Nachrichten für alle, die Romane, Fantasy oder Gedichte schreiben: Der Gesetzgeber möchte die Kunst nicht durch hässliche Warnhinweise zerstören.
Du musst also keinen dicken Hinweis auf die Vorderseite deines Buchcovers drucken. Bei kreativen Werken reicht es völlig aus, die Info dezent zu platzieren.
Tipp für dein Buch: Schreib den Hinweis einfach sachlich ins Impressum oder ins Nachwort (z. B.: „Das Coverbild wurde mithilfe von KI-Bildgeneratoren erstellt.“ oder „Kapitel 4 enthält KI-generierte Abschnitte.“).
4. Was passiert mit alten Büchern? (Bestandsschutz)
Das Gesetz gilt nicht rückwirkend. Alle E-Books und gedruckten Bücher, die schon vor dem 2. August 2026 auf dem Markt waren, dürfen genau so im Verkauf bleiben. Du musst ältere Titel nicht nachträglich bearbeiten.
Wichtig: Wenn du ein altes Buch nach dem Stichtag grundlegend überarbeitest (z. B. für eine Neuauflage) und dabei eine KI nutzt, greift die Pflicht für diese neue Version doch.
5. Was droht bei Verstößen?
Weil du als Self-Publisher rechtlich wie ein normaler Verlag haftest, solltest du die Regeln ernst nehmen. Neben theoretischen Bußgeldern vom Staat drohen vor allem zwei sehr reale Probleme im Online-Handel:
- Teure Abmahnungen: Konkurrenten oder Verbände können dich wegen unfairem Wettbewerb abmahnen, wenn du die Kennzeichnung vergisst.
- Sperrung deines Kontos: Plattformen wie Amazon KDP oder Tolino Media kontrollieren KI-Inhalte schon jetzt sehr streng. Wer schummelt, riskiert, dass seine Bücher gelöscht und der gesamte Autoren-Account dauerhaft gesperrt werden. Nach aktuellen Erfahrungen mit Amazon kann davon ausgegangen werden, dass jeer Verstoß gegen den EU AI Act sofort und unwiderruflich zur Sperrung des KDP-Accounts führt.
Deine Checkliste für neue Buchprojekte
- [ ] Mitschreiben: Notiere dir beim Schreiben und Gestalten kurz, wo und wie viel KI du benutzt hast.
- [ ] Dienstleister fragen: Frag Designer (für Cover) oder andere Helfer klipp und klar, ob sie KI-Tools genutzt haben. Lass dir das am besten kurz schriftlich bestätigen.
- [ ] Impressum anpassen: Füge bei Bedarf einen kurzen, ehrlichen Satz zu den KI-Inhalten in dein Impressum ein.
- [ ] Häkchen beim Upload setzen: Gib beim Hochladen deiner Bücher auf Amazon und Co. in den Formularen wahrheitsgemäß an, ob KI im Spiel war.
