Frauen mittleren Alters, die zu viel sitzen (Dora Heldt & Anouk Schollähn)
Seit langem liebe ich die Bücher von Bestsellerautorin Dora Heldt. Und seit dem ersten Lit.Love-Lesefestival 2016 kenne und schätze ich auch die Journalistin Anouk Schollähn, die sich als Moderatorin von Lesungen auch international einen Namen gemacht hat. Privat sind beide seit vielen Jahren befreundet, bei der Leipziger Buchmesse 2023 erlebte ich eine von Anouk Schollähn moderierte Lesung mit Dora Heldt, bei der die beiden sich einen wunderbar amüsanten Schlagabtausch lieferten.
Den gibt es jetzt auch in Buchform: „Frauen mittleren Alters, die zu viel sitzen“ (was für ein absolut genialer Buchtitel!) besteht aus Briefen, die sich die beiden schreiben. Darin erzählen sie sich von Alltagserlebnissen und -betrachtungen, fragen sich gegenseitig um Rat und nach ihrer Meinung, lästern auch mal ein wenig (z.B. über die Männerwelt) und spielen sich dabei ganz wunderbar gegenseitig die Bälle zu.
Manchmal kokettieren sie dabei auch ein wenig mit ihrem Alter: Dora Heldt ist Jahrgang 1961, Anouk Schollähn Jahrgang 1976, so steht es im das Buch begleitenden Pressetext. Somit ist die eine Mitte 60, die andere wird heuer 50, dieser bevorstehende runde Geburtstag ist auch eines der Themen im Buch. Daneben geht es um so spannende Dinge wie ein Holzmonster, Puderzucker im Alltag, die Royals, für die Dora Heldt sich brennend interessiert, Fräulein Rottenmeier im ICE-Ruheabteil (ich fühle es!), um Klugscheißer und Urban Gardening, um das Zu-Nett-Sein und andere zwischenmenschliche Spielregeln, um Single-Frauen und geschwätzige Männer, um das Balzverhalten von Haubentauchern, Gibbons und Krokodilen (ich habe viel gelernt in diesem Kapitel!), um den inneren Schweinehund, schwierige Yogaposen und vieles andere mehr.
Ich denke, allein diese Aufzählung zeigt schon, wie witzig und amüsant die Betrachtungen der beiden Frauen zu all diesen unterschiedlichen Themen sind. Im Klappentext sind die Texte als Kolumnen bezeichnet, aber anders als bei herkömmlichen Kolumnen (es gibt von Dora Heldt ja auch einige Bücher mit sehr unterhaltsamen Kolumnen), die man unabhängig voneinander lesen kann, folgt dieses Buch einem chronologischen Aufbau: Die Texte bauen aufeinander auf, einer ist die Antwort auf den vorherigen.
Mir hat es großen Spaß gemacht, diesen Briefwechsel zu verfolgen. Bei vielen Themen hätte ich den beiden gerne beigepflichtet oder meine eigenen zwei Cents dazu beigetragen. Zu gerne würde ich mal mit den beiden zusammen sitzen, vielleicht bei einem Glas Weißwein, und gemeinsam über Gott und die Welt reden. Ich glaube, ersatzweise werde ich mir zu diesem Buch auch noch das Hörbuch besorgen, das von den beiden selbst eingesprochen wurde.
Fazit: Egal ob als Print oder als Hörbuch, ich spreche auf jeden Fall eine ganz große Empfehlung aus und vergebe gerne 5 Sterne.
