Top-10-Bücher 2025

Romane
1
Wackelkontakt

Wackelkontakt

Wolf Haas

Der Protagonist, ein Wiener Trauerredner, wartet ungeduldig auf den Elektriker, weil eine Lampe flackert – ein Wackelkontakt. Um sich abzulenken, beginnt er, ein Buch zu lesen: Die Geschichte eines Ex-Mafiosos, der vor seiner Vergangenheit nach Wien flieht und in eine neue Identität schlüpft. Die Erzählung wechselt zyklisch zwischen den Ebenen, verschmilzt Realität und Fiktion und endet in einem absurden Höhepunkt voller Identitätsverwirrung. Diese innovative Roman-im-Roman-Struktur, gepaart mit Haas typischem lakonischem Humor, präziser Sprache und gesellschaftlicher Satire, machte es zum Bestseller mit Nominierungen für den Leipziger Buchpreis und den Preis der Leipziger Buchmesse.

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2
In einem Zug

In einem Zug

Daniel Glattauer

Der erfolglose Schriftsteller Eduard Brünhofer sitzt im Zug von Wien nach München und kommt neben der charismatischen Therapeutin Catrin zu sitzen. In einem intensiven, vierstündigen Gespräch offenbaren sie sich gegenseitig Geheimnisse über Liebe, Schreibblockaden, gescheiterte Beziehungen und das Leben als Künstler. Das Gespräch löst Eduards Blockade und führt zu einer unerwarteten Wendung. Glattauers Meisterwerk des Dialogromans überzeugt durch witzige, geistreiche Konversationen, psychologische Schärfe und die Fähigkeit, komplexe Themen wie Intimität in scheinbar alltäglicher Form zu greifen – ein Highlight für Fans moderner Liebesliteratur.

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3
Sehr geehrte Frau Ministerin

Sehr geehrte Frau Ministerin

Ursula Krechel

Anna Berger, die erste weibliche Justizministerin Deutschlands, steht unter enormem öffentlichem und politischem Druck. In dieser Situation erreichen sie zwei verzweifelte Briefe: Der erste stammt von einer Frau, die jahrelanger häuslicher Gewalt ausgesetzt ist und deren Hilferufe von Polizei und Justiz ignoriert wurden. Der zweite Brief kommt von einer Mutter, deren erwachsener Sohn in einer toxischen emotionalen Abhängigkeit lebt und sie psychisch terrorisiert – doch das Gesetz bietet ihr keinen Schutz. Parallel dazu bricht Annas eigenes sorgfältig konstruiertes Leben auseinander: Konflikte mit ihrer eigenen Familie eskalieren, ihre Ehe steht auf der Kippe, und in ihrem Ministerium kämpft sie gegen verkrustete patriarchale Strukturen. Der Roman verwebt diese drei Frauenschicksale zu einem vielstimmigen Porträt über systemisches Versagen, weiblichen Widerstand und die Frage nach Gerechtigkeit in einer Gesellschaft, die Gewalt gegen Frauen noch immer nicht ernst genug nimmt. Ursula Krechels sprachgewaltige, formbewusste Erzählung besticht durch nuancierte Charakterzeichnung, feministische Schärfe und politische Brisanz. Die multiperspektivische Struktur und die dichte atmosphärische Schilderung machen es zu einem literarisch anspruchsvollen und gleichzeitig gesellschaftlich hochrelevanten Roman, der wichtige Debatten anstößt.

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4
Wild nach einem wilden Traum

Wild nach einem wilden Traum

Julia Schoch

Die namenlose Protagonistin lebt in einer Beziehung, die sie emotional erstickt – ein Partner, der sie kontrolliert, eine Existenz, die sich wie ein Gefängnis anfühlt. Eines Tages beschließt sie, auszubrechen und einem \"wilden Traum\" zu folgen: dem Traum von absoluter Freiheit, Authentizität und Selbstverwirklichung. Sie verlässt ihre Wohnung, ihre Stadt und begibt sich auf eine Reise durch Europa – physisch und emotional. Unterwegs begegnet sie anderen Suchenden: Künstlern, Aussteigern, gescheiterten Existenzen. Sie hat kurze, intensive Affären, erlebt Rausch und Ernüchterung, stürzt ab und steht wieder auf. Der Roman folgt ihren inneren Kämpfen zwischen Sehnsucht und Angst, zwischen dem Wunsch nach Bindung und dem Drang nach Autonomie. Julia Schochs Prosa ist dabei introspektiv, lyrisch und von roher emotionaler Intensität geprägt. Sie erfasst weibliche Sehnsüchte und die Komplexität der Selbstfindung mit literarischer Raffinesse, ohne in Klischees zu verfallen. Die Erzählung verzichtet auf einfache Antworten und bleibt bis zum Schluss ambivalent – ein mutiger, stilistisch beeindruckender Roman über die Suche nach dem eigenen wilden Leben.

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6
Air

Air

Christian Kracht

Ein namenloser Wanderer durchstreift eine unbestimmte europäische Landschaft zwischen Gegenwart und traumhafter Vergangenheit. Die Handlung gleitet zwischen realistischen Szenen und surrealen Visionen: Der Protagonist begegnet mystischen Naturphänomenen, verfallenen Industrieruinen, rätselhaften Gestalten und Erinnerungen, die nicht seine eigenen zu sein scheinen. Der Roman thematisiert Naturmystik, technologischen Fortschritt und seinen Preis, innere Leere und die Frage nach Authentizität in einer entzauberten Welt. Krachts Stil ist elegant, ironisch und von romantischer Ästhetik durchzogen – er verbindet philosophische Reflexionen mit poetischen Naturbeschreibungen. Die Erzählung bleibt bewusst vage und offen, fordert aktive Interpretation und schafft eine traumartige Atmosphäre. Die stilistische Brillanz, existenzielle Tiefe und die Fähigkeit, große Fragen in schwebender Prosa zu verhandeln, machen \"Air\" zu einem literarisch anspruchsvollen, wenn auch nicht leicht zugänglichen Werk für Leser, die Krachts experimentellen Stil schätzen.

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6
Dunkle Momente

Dunkle Momente

Elisa Hoven

Lena Voss ist eine erfahrene Strafverteidigerin, die in ihrer Karriere schon viele schwere Fälle übernommen hat. Doch drei neue Mandate bringen sie an ihre ethischen Grenzen: Sie muss einen Mann verteidigen, der des Mordes an seiner Ehefrau beschuldigt wird, einen Jugendlichen, dem sexueller Missbrauch vorgeworfen wird, und einen Unternehmer, gegen den Vorwürfe rassistischer Diskriminierung erhoben werden. In jedem Fall bewegt sie sich in moralischen Grauzonen – die Schuldfrage ist nicht eindeutig, Zeugenaussagen widersprechen sich, und Lena muss entscheiden, wie weit sie für ihre Mandanten gehen will. Parallel dazu beginnen die Fälle, ihr Privatleben zu infiltrieren: Ihr eigener Partner steht plötzlich unter Verdacht, und sie muss sich fragen, ob sie ihm vertrauen kann. Elisa Hovens juristischer Hintergrund als Rechtswissenschaftlerin sorgt für authentische, präzise Einblicke in Verfahren und Taktiken. Der Roman erforscht Fragen nach Schuld, Gerechtigkeit, der Rolle der Verteidigung in einem Rechtsstaat und der psychischen Belastung juristischer Arbeit. Die intelligente, spannungsgeladene Erzählung verbindet Thriller-Elemente mit literarischem Anspruch und macht \"Dunkle Momente\" zu einem herausragenden Justizroman.

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7
Hase und ich

Hase und ich

Chloe Dalton

Nach einem schweren persönlichen Verlust zieht die Autorin Chloe Dalton aufs Land, um Abstand zu gewinnen und neu anzufangen. In ihrem Garten taucht eines Tages ein wilder Feldhase auf – scheu, aber neugierig. Sie beginnt, ihn zu beobachten, ihm Futter hinzulegen und langsam eine Verbindung aufzubauen. Über Monate hinweg entwickelt sich eine außergewöhnliche Freundschaft: Der Hase kommt regelmäßig, gewöhnt sich an ihre Anwesenheit, und sie lernt, seine Signale zu deuten. Dalton beschreibt minutiös seine Bewegungen, sein Verhalten, die Veränderungen durch die Jahreszeiten. Die Beziehung wird zu einem Weg der Heilung – der Hase gibt ihr Struktur, Freude und eine tiefe Verbindung zur Natur zurück. Der Roman ist zugleich Memoir und Naturschreibung: authentisch, berührend und poetisch. Die detailreichen Beobachtungen, die Reflexionen über Einsamkeit, Trauer und die heilende Kraft der Natur machen \\\"Hase und ich\\\" zu einem stillen, eindringlichen Leseerlebnis für Naturliebhaber und alle, die an der Grenze zwischen Mensch und Tier interessiert sind.

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8
Die Richtige

Die Richtige

Martin Mosebach

Der erfolgreiche, egozentrische Maler Lorenz ist besessen von der Idee, \"die Richtige\" zu finden – die perfekte Frau, die Muse, die Vollendung seines Lebens. Diese Suche führt ihn durch eine Serie von Beziehungen, die alle an seinen narzisstischen Ansprüchen scheitern. Er manipuliert, idealisiert und verwirft Frauen, ohne jemals echte Nähe zuzulassen. Der Roman entlarvt Lorenz\' Selbsttäuschungen, seine Unfähigkeit zu lieben und die toxischen Machtdynamiken, die er in Beziehungen etabliert. Martin Mosebach zeichnet ein scharfes, satirisches Porträt eines Künstlers, der sich für ein Genie hält, tatsächlich aber emotional unreif und destruktiv ist. Die präzise Beobachtung, die ironische Distanz und die literarische Qualität der Sprache machen \"Die Richtige\" zu einem pointierten Gesellschafts- und Charakterroman über männliche Selbstüberschätzung.

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9
Getäuscht

Getäuscht

Juri Felsen

Der junge russische Emigrant Nikolai lebt im Paris der 1920er Jahre – ein Exilant ohne Heimat, ohne Perspektive, emotional abhängig von Léa, einer rätselhaften Frau, die ihn anzieht und abstößt. Sie manipuliert ihn, lügt, verschwindet und kehrt zurück. Nikolai ist gefangen in einer toxischen Beziehung, die seine Identität auflöst. In Rückblenden enthüllt der Roman Nikolais Flucht aus Russland, den Verrat durch Freunde, Traumata und das Leben in der Emigration. Juri Felsen erforscht mit psychologischer Präzision die Mechanismen emotionaler Abhängigkeit, Selbsttäuschung und die Desorientierung im Exil. Die Sprache ist intensiv, die Atmosphäre beklemm end. \"Getäuscht\" ist ein eindringlicher psychologischer Roman über Illusion, Realität und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit in einer entfremdeten Welt.

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10
Stadt der Hunde

Stadt der Hunde

Leon de Winter

In einer namenlosen europäischen Großstadt kreuzen sich die Lebenswege dreier Außenseiter: ein alter Mann, der nach dem Tod seiner Frau vereinsamt durch die Straßen zieht, ein junger syrischer Immigrant, der illegal in der Stadt lebt und sich durchschlägt, und eine mittelalte Frau, die nach einer gescheiterten Beziehung emotionalen Halt sucht. Ihre Begegnungen sind zunächst zufällig – im Park, an einer Bushaltestelle, in einer Suppenküche –, doch allmählich entwickelt sich eine unwahrscheinliche, zarte Freundschaft. Sie teilen Geschichten, Einsamkeit und kleine Momente der Menschlichkeit. Der Roman thematisiert urbane Isolation, Migration, Verlust und die Frage, was Gemeinschaft in einer anonymen Stadt bedeutet. Leon de Winters packende Charakterzeichnung, sein Gespür für soziale Verwerfungen und die emotionale Tiefe machen \"Stadt der Hunde\" zu einem berührenden, gesellschaftlich relevanten Roman über Solidarität und die Suche nach Verbindung in einer fragmentierten Welt.

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Science Fiction und Fantasy
1
Die letzte Geschichte der Welt

Die letzte Geschichte der Welt

Robin Sloan

In einer fernen Zukunft leben Ariel und sein Bruder in einer Welt, die wie ein „Mittelalter“ inszeniert ist – Ritter, Zauberer, analoge Technik –, während die eigentliche Hochtechnologie als mythische Bedrohung (drachenartige KI-Konstrukte) den Mond zerstört hat. Als Ariel eine Rettungskapsel mit einer KI-Symbiose findet, bricht er aus dieser Welt aus und entdeckt, dass sein „Zuhause“ nur ein Pastiche war. Er wird zum Chronisten einer Zivilisation, die an ihrer eigenen Technologie gescheitert ist. Uns begeistert besonders der spielerische Genre-Mix: Wir feiern, wie Sloan SF- und Fantasy-Elemente verschmelzen lässt und dabei einen Ton trifft, der gleichzeitig humorvoll und melancholisch ist. Für uns ist das Buch eine der klügsten Metaphern auf den aktuellen KI-Hype, da es zeigt, was passiert, wenn Technologie zur unverstandenen „Magie“ wird.

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2
Showdown im Asteroidendom

Showdown im Asteroidendom

Dirk van den Boom

Die Crew des Sternkreuzers Proxima erreicht im 24. Band das finale Ziel ihrer Mission: eine Raumstation im Asteroidengürtel, wo die Drahtzieher einer galaktischen Verschwörung sitzen. Während diplomatisch verhandelt wird, drohen neue Waffentechnologien und fanatische Gegner alles in einen Krieg zu reißen.​ Wir schätzen vor allem die enorme Verlässlichkeit dieser Space Opera. Uns imponiert, wie die Balance aus politischer Intrige und militärischer Action auch im Finale der Staffel gehalten wird. Wer Serien mag, die kontinuierlich die Einsätze erhöhen, ohne den Überblick zu verlieren, kommt hier voll auf seine Kosten.

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3
Der Blick von den Sternen

Der Blick von den Sternen

Cixin Liu

Diese Sammlung bringt Kurzgeschichten und Essays aus Lius Schaffensperiode vor dem Welterfolg der Trisolaris-Reihe zusammen. Die Texte decken ein breites Spektrum ab – von Walen, die per Hirnmanipulation gesteuert werden, bis zu Zeitreise-Ideen – und zeigen Lius Entwicklung vom Pointen-Schreiber zum Hard-SF-Visionär.​ Für uns ist das Buch ein faszinierender Blick in die „Ideenwerkstatt“ des Autors. Wir finden es spannend, Cixin Lius Denken hier pur zu erleben: weniger polierte Romanstruktur, dafür radikale Gedankenexperimente. Besonders die Essays geben uns wertvolle Einblicke, wie chinesische Science-Fiction tickt.

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4
Winde und Wahrheit (Band 11/12)

Winde und Wahrheit (Band 11/12)

Brandon Sanderson

Das große Finale des ersten Handlungsbogens der Sturmlicht-Chroniken: Auf Roschar laufen die „zehn letzten Tage“ vor dem Duell zwischen Dalinar und dem Gott des Hasses ab. Alle Handlungsfäden – von Kaladins Trauma bis zu Shallans Spionage – kulminieren in diesem massiven Band.​ Für uns ist dieses Buch ein absoluter Monolith. Wir feiern, dass sich hier Tausende Seiten Worldbuilding endlich auszahlen. Die Auflösung jahrelang aufgebauter Mysterien und die emotionale Tiefe, die die Charaktere erreichen, machen es für uns zum unumgänglichen Ereignis für Epic-Fantasy-Fans.

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5
Lyneham

Lyneham

Nils Westerboer

Erzählt wird aus der Sicht des zwölfjährigen Henry, der mit seiner Familie auf dem Mond Perm landet – einem gescheiterten Terraforming-Projekt, das zur Todeszone wurde. Parallel dazu wird eine zweite Zeitlinie erzählt, in der Henrys Mutter erst später startet, aber durch Zeitdilatation „früher“ ankommt, was die Familie durch Raum und Zeit trennt.​ Was uns besonders bewegt, ist die emotionale Wucht der Geschichte. Wir finden es meisterhaft, wie Westerboer harte physikalische Fakten mit einer extrem intimen, kindlichen Perspektive verknüpft. Für uns eines der Highlights des Jahres, weil es die Isolation des Weltalls fühlbar macht, ohne technokratisch zu wirken.

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6
Rebellion of the Marsborn

Rebellion of the Marsborn

Alexander Wolfsland

Auf dem Mars lebt bereits die zweite Generation: Jugendliche, die den roten Planeten als einzige Heimat kennen und die Erde nur aus Videos. Als fünf von ihnen – Kai, Eli, Sparks, Benny und Leo – auf ein von den Erwachsenen gehütetes Geheimnis stoßen, wird aus einer illegalen Expedition ein Kampf um die Wahrheit. Es geht um die Frage, wem der Mars gehört: den irdischen Konzernen oder denen, die dort geboren sind? ​Uns überzeugt besonders, dass hier nicht nur Action geboten wird, sondern echte gesellschaftliche Fragen gestellt werden. Wir finden es stark, wie glaubwürdig die Mars-Kolonie technisch und politisch gezeichnet ist (Ressourcenknappheit, Konzernmacht). Für uns ist es eine spannende Parabel auf Generationenkonflikte, die zeigt, was passiert, wenn „Schutz“ in Kontrolle umschlägt – ein Buch, das junge Leser ernst nimmt und Erwachsene zum Nachdenken bringt.

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7
Eislotus: Wasser findet seinen Weg (Band 1/3)

Eislotus: Wasser findet seinen Weg (Band 1/3)

Liza Grimm

In einer Welt, in der Magie an Bücher gebunden ist, muss Nara ihre Heimatstadt vor dem Verfall retten. Sie wird als Elementgesandte auserwählt und tritt in einem magischen Wettkampf an, um einen „Buchbinder“ in ihre Stadt zu holen – erzählt aus ihrer Sicht und der ihres Konkurrenten.​ Wir lieben vor allem das kreative Magiesystem der „Seelenbücher“ und die Dynamik des Wettkampfs. Für uns ist es der perfekte Mix für Fans von Akademie-Settings und politischer Fantasy, wobei wir besonders die stimmige Chemie zwischen den Figuren und den gelungenen Cliffhanger hervorheben möchten.

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8
Origin: Die Entdeckung (Band 1/3)

Origin: Die Entdeckung (Band 1/3)

Andreas Brandhorst

Im 23. Jahrhundert steht die Erde ökologisch vor dem Kollaps, als im Kuipergürtel ein uraltes Artefakt mit einem humanoiden Wesen entdeckt wird. Die Paläontologin Lea Lehora soll das Rätsel lösen, während Mächte auf der Erde um die Kontrolle dieses Fundes ringen – der Auftakt einer großen Trilogie.​ Uns überzeugt hier das „Bigger Picture“. Wir mögen Brandhorsts Routine beim Bauen großer Universen und wie er klassische SF-Motive mit aktuellen Themen wie dem Klimakollaps verknüpft. Auch wenn Charaktere manchmal hinter der Handlung zurücktreten, genießen wir den typischen „Sog“ seiner technologischen Rätsel.

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9
Die Schwarze Königin II

Die Schwarze Königin II

Markus Heitz

Len und Klara haben scheinbar Ruhe gefunden, doch in der Anderswelt formieren sich neue Gegner, die hinter dem Erbe der „Schwarzen Königin“ her sind. Heitz verwebt eine historische Zeitebene um Vlad III. (Dracula) mit der modernen Handlung um Vampire und Alchemie.​ Uns gefällt besonders der düstere Mix aus Historie und Fantasy. Wir finden es stark, wie Heitz den Vampir-Mythos politisch und historisch fundiert erzählt, statt ihn zu romantisieren. Vor allem der historische Strang um Vlad Tepes ist für uns ein atmosphärisches Highlight, das der Story Tiefe verleiht.

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10
House of Verity: Die Ewigkeit stirbt nie (Band 3/3)

House of Verity: Die Ewigkeit stirbt nie (Band 3/3)

Marah Woolf

Im Finale der Zodiac-Reihe muss Averie in der Welt Verity gegen die scheinbar übermächtigen „Götter“ antreten. Es geht darum, das schwarze Weltenei zu finden und die Zyklen der Unterdrückung zu brechen, bevor Hyperion endgültig siegt.​ Wir finden den Abschluss extrem emotional und konsequent. Uns beeindruckt, dass die komplexe Mythologie sauber zu Ende geführt wird und Woolf nicht vor tragischen Konsequenzen zurückschreckt. Für uns ein High-Stakes-Finale, das die Dystopie-Elemente der Reihe würdig abschließt.

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Thriller und Krimis
1
Adama

Adama

Lavie Tidhar

Im Zentrum steht Ruth, eine junge, idealistische Ungarin, die als Jüdin vor dem Nationalsozialismus nach Palästina flieht und dort in einem Kibbuz eine neue Heimat findet. Nach dem Zweiten Weltkrieg gerät sie immer stärker in den Strudel des aufkommenden israelischen Staates: Waffen für Milizen, geheime Operationen, Deals mit zweifelhaften Partnern – alles scheinbar im Dienst einer höheren Sache.​ Über mehrere Jahrzehnte verfolgt der Roman die Familie: Kinder und Enkelkinder wachsen in einem von Konflikten geprägten Land auf, während Altschulden, Verrat und nicht gesühnte Verbrechen wie ein Schatten über ihnen liegen. Die Handlung verbindet persönliche Schicksale (Trauma, Loyalität, Schuld) mit konkreten historischen Ereignissen wie Kriegen, Terrorakten und politischen Wendungen im Nahen Osten. Unser Jury bezeichnet Adama als „brillant geschrieben“ und als „verstörend aktuellen“ historischen Thriller, der sich zugleich wie ein politischer Roman und wie ein Familiendrama liest. Besonders hervorgehoben wird, dass Gewalt und Terror weder heroisiert noch vereinfachend erklärt werden, sondern als Konsequenz von Ideologie, Angst und Machtkämpfen gezeigt werden – der Roman wird dort als der „wichtigste Thriller des Jahres“ eingeordnet.

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2
Asa

Asa

Zoran Drvenkar

Die 14‑jährige Asa Kolbert versteckt sich in der winterlichen Uckermark vor Männern, die seit Tagen Jugendliche jagen – ein Szenario, das zunächst wie ein brutales „Spiel“ wirkt, aber mit einem grausamen Ritual ihrer Gemeinschaft verknüpft ist. Die Handlung springt zwischen Asas verzweifeltem Überlebenskampf im Schnee, Rückblenden in die Geschichte ihrer Familie und Zeitebenen, die bis ins frühe 20. Jahrhundert reichen.​ Stück für Stück begreift Asa, dass sie Teil eines Systems ist, das Gewalt und Unterwerfung seit Generationen weitergibt und legitimiert. Als sie die volle Wahrheit erkennt, kippt der Roman in einen Rachethriller, in dem sie nicht mehr nur Opfer, sondern aktive Gegenspielerin wird – mit Konsequenzen für alle, die das Ritual tragen. Unsere Jury hält das für „Hunger Games in der ostdeutschen Provinz“ und lobt die „perfekte Konstruktion“ des Plots, der über mehr als 100 Jahre die Genealogie von Gewalt und Faschismus nachzeichnet. Asa wird dort als bester deutschsprachiger Kriminalroman 2025 bezeichnet, weil er Thriller-Spannung mit einer verstörend präzisen Analyse von ideologischer Gewalt verbindet.

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3
Der Gott des Waldes

Der Gott des Waldes

Liz Moore

Die Geschichte beginnt 1975 in einem Sommercamp in den Wäldern der Adirondacks (New York): Die 13‑jährige Barbara van Laar verschwindet spurlos aus dem Camp Emerson. Die Familie ist ohnehin traumatisiert, denn Jahre zuvor ist ihr Bruder Bear in denselben Wäldern verschwunden – ein unaufgeklärtes Rätsel, das wie ein Fluch über ihnen liegt.​ Moore erzählt aus verschiedenen Blickwinkeln (Mitbewohnerinnen im Camp, Betreuer:innen, Familienmitglieder) und über mehrere Zeitebenen hinweg, sodass nach und nach sichtbar wird, wie Machtgefälle, Klassenschranken und das fragile Ökosystem „Camp“ zusammenwirken. Der Wald ist nicht nur Kulisse, sondern fast eine eigene Figur: ein Raum, in dem Geheimnisse konserviert und Wahrheiten verschluckt werden. ​ Was es besonders auszeichnet: Unsere Jury bewundert die „vielschichtige Komposition“: Der Roman ist zugleich Kriminalfall, Coming-of-Age-Geschichte und Gesellschaftsstudie über Machtmissbrauch an Kindern und Jugendlichen. Gelobt wird, dass Moore hohe Spannung mit literarischem Anspruch verbindet und ein sehr dichtes, atmosphärisches Setting schafft, in dem die Vergangenheit nie ganz ruht. ​

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4
Sing mir vom Tod

Sing mir vom Tod

Ivy Pochoda

Zwei Frauen, Dios und Florida, werden ungefähr zeitgleich aus dem Gefängnis entlassen und machen sich quer durch Arizona und Kalifornien auf den Weg nach Los Angeles. Auf ihrer Route häufen sich brutale Verbrechen – eine Spur, die sie selbst und alle, denen sie begegnen, in existenzielle Gefahr bringt.​ Pochoda strukturiert den Roman wie einen Roadtrip durch eine toxische, patriarchale Gesellschaft; die Perspektiven wechseln, und eine zusätzliche Erzählstimme kommentiert das Geschehen wie ein moderner „griechischer Chor“. So entsteht ein Panorama von Gewalt gegen Frauen, Armut, Drogen, Sexarbeit und den Versuchen, sich aus diesen Strukturen zu befreien. Unsere Experten empfinden den Roman als „knallhart, kompromisslos“. Die Jury lobt die Mischung aus Pulp‑Energie und literarischer Reflexion: Gewalt wird weder voyeuristisch ausgeschlachtet noch weichgespült. Die ungewöhnliche Form – inklusive chorischer Stimme – und der Fokus auf Täterinnen und Opferrollen von Frauen machen das Buch zu einem der formal spannendsten Thriller des Jahres.

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5
Hüte dich vor der Frau

Hüte dich vor der Frau

Megan Abbott

Jacy, frisch verheiratet und schwanger, fährt mit ihrem Mann nach Michigan, um dessen Vater zu besuchen, der allein in einem abgelegenen Haus im Wald lebt. Zunächst wirkt der Schwiegervater zuvorkommend, fast überfürsorglich, und die Atmosphäre ist nur leicht unheimlich – wie ein klassisches Familienkammerspiel mit unterschwelliger Spannung.​ Als sich Komplikationen in der Schwangerschaft zeigen, wird Jacy zunehmend abhängig von der Kontrolle und den Entscheidungen der Männer um sie herum. Das Haus im Wald verwandelt sich in eine Art Gefängnis, in dem ihr Körper und ihre Zukunft zur Projektionsfläche für patriarchale Vorstellungen werden; Realität und Wahrnehmung beginnen zu verschwimmen.​ Die Jury hebt hervor, dass Abbott mit Gothic-Elementen, Körperhorror und psychologischer Spannung arbeitet, ohne auf explizite Schockeffekte zurückzugreifen. Der Roman gilt als besonders starker Beitrag zum Thema „Kontrolle über den weiblichen Körper“ und als einer der eindringlichsten feministischen Thriller 2025.

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6
Nacht über Soho

Nacht über Soho

Kate Atkinson

London in den 1920ern: Nellie Coker, eine Art „Nachtclub‑Queen“, kehrt nach einem Gefängnisaufenthalt zurück und versucht, ihr Unterwelt‑Imperium gegen Rivalen, korrupte Polizisten und die britische High Society zu verteidigen. Ihre Clubs sind zugleich Orte der Ekstase und Schattenräume, in denen Drogen, Prostitution und Gewalt allgegenwärtig sind.​ Parallel dazu wird Gwendolen, eine vermeintlich harmlose Bibliothekarin vom Land, als verdeckte Ermittlerin in dieses Milieu eingeschleust, um das Verschwinden mehrerer Tänzerinnen und Prostituierter aufzuklären. Zwischen glitzernden Nächten, Elendsvierteln und dunklen Gassen spinnt sich ein Geflecht aus Intrigen, familiären Geheimnissen und Polizeiversagen. Wir loben ausdrücklich die akribische historische Recherche und die Fähigkeit Atkinsons, aus einem „glamourösen“ Setting ein schonungsloses Gesellschaftsporträt der Klassen- und Geschlechterordnung zu machen. Der Roman verbindet klassischen Krimiplot mit literarischer Finesse und wird als einer der stärksten historischen Kriminalromane des Jahres gewertet.

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7
Der Beweis meiner Unschuld

Der Beweis meiner Unschuld

Jonathan Coe

2022 versammelt sich in einem englischen Landhaus eine Gruppe von Politiker:innen, Lobbyist:innen und Expert:innen zu einer Konferenz über das Gesundheitssystem – offiziell harmlos, inoffiziell geht es um die Privatisierung des NHS. Ein investigativer Blogger will dort Beweise für die Verflechtungen zwischen konservativen Kreisen und Gesundheitskonzernen sammeln, doch er stirbt kurz darauf unter mysteriösen Umständen.​ Coe nutzt das Setting des klassischen „Country‑House‑Mystery“: eine begrenzte Anzahl Verdächtiger, ein isolierter Schauplatz, Spannungen untereinander. Gleichzeitig verschränkt er den Krimiplot mit politischen Debatten und zeigt, wie Medien, Lobbyarbeit und Ideologie öffentliche Systeme aushöhlen können.​ Für uns der cleverste Krimi 2025: Coe parodiert liebevoll das traditionelle Krimigenre, während er messerscharf den realen Konservatismus in Großbritannien und die Nähe zur US‑Rechten analysiert. Die Mischung aus Humor, Gesellschaftssatire und funktionierendem Whodunit‑Plot macht das Buch zu einem seltenen Fall von „unterhaltsamer Systemkritik“.

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8
Jenseits aller Zeit

Jenseits aller Zeit

Sebastian Barry

Tom Kettle, ein ehemaliger irischer Detective Sergeant, lebt zurückgezogen in einer kleinen Wohnung an der irischen Küste. Seine scheinbar ruhige Pension wird durch einen alten Fall erschüttert: den Mord an einem Priester und den systematisch vertuschten Kindesmissbrauch in katholischen Einrichtungen.​ Während Tom von Kollegen gebeten wird, noch einmal in die Unterlagen zu schauen, brechen persönliche Erinnerungen und Traumata auf: die eigene Kindheit, die Rolle der Kirche, politische Gewalt in Irland und familiäre Verluste. Der Roman bewegt sich in einem fließenden Raum aus Gegenwart, Erinnerung und Halluzination – oft ist unklar, ob Tom Ereignisse erlebt oder rekonstruiert.​ Das Buch ist ein „dunkles literarisches Meisterwerk“, weil Barry einen Kriminalfall nutzt, um strukturelle Gewalt (Missbrauch, Verstrickung von Kirche und Staat, IRA‑Terror) in einer poetischen, aber gnadenlosen Sprache zu verhandeln. Die Verknüpfung von Naturbildern, inneren Monologen und hartem Realismus hebt den Roman deutlich aus dem „reinen Genre“ heraus.

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9
Unten leben

Unten leben

Gustavo Faverón Patriau

George Bennett ist ein Filmemacher – und Serienmörder: Er dokumentiert seine Taten mit der Kamera, während er Anfang der 1990er Jahre durch Südamerika reist, um die Vergangenheit seines Vaters zu erforschen, eines CIA‑Agenten, der in der Zeit der Militärdiktaturen Folter und „Verschwindenlassen“ organisierte.​ Der Roman ist wie ein Labyrinth aufgebaut: Berichte, Dokumente, Erinnerungen, fiktive und reale historische Figuren (inklusive Nazi‑Verbrechern) verschränken sich; Gewaltbilder und politische Geschichte überlagern sich ständig. Die tatsächliche Handlung ist weniger „Wer war der Täter?“ als „Wie reproduziert sich Gewalt in Bildern, Narrativen und Institutionen?“. Unten leben ist die „Herausforderung“ der Krimibestenliste: extrem düster, formal experimentell, zugleich tief in die Geschichte lateinamerikanischer Diktaturen eingebettet. Es ist eher ein postmoderner Albtraum als ein klassischer Thriller – empfohlen für Leser:innen, die bei Kriminalliteratur maximale formale und inhaltliche Radikalität suchen.

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10
Tod unter Wacholdern

Tod unter Wacholdern

Jo Ann Martin

Tod unter Wacholdern ist ein regional verankerter Kriminalroman, der einen rätselhaften Leichenfund in der Vulkaneifel zum Ausgangspunkt für Ermittlungen und Dorfkonflikte macht. Die Geschichte beginnt mit einem Leichenfund in einem Wacholderschutzgebiet nahe des Eifeldorfes Loogh – die Tote/der Tote wird in auffällig-grotesker Haltung entdeckt, was den Fall von Beginn an ungewöhnlich macht. Hauptkommissar Leo Werner aus Daun übernimmt die Ermittlungen, obwohl es „eigentlich gar nicht sein Fall“ ist, und stößt dabei auf ein Dorf, in dem viele mehr zu wissen scheinen, als sie sagen. Parallel mischen sich die Biologin Alex Cameron und Menschen aus ihrem Umfeld ein, was zusätzliche Dynamik und Reibung in die Aufklärung bringt. Das Buch nutzt das Setting der Vulkaneifel sehr präsent: Landschaft, Schutzgebiet und dörfliche Strukturen sind nicht nur Kulisse, sondern wirken auf Motive, Möglichkeiten und Verdächtigungen ein. Statt einer simplen Whodunit-Spur legt der Roman mehrere Konfliktlinien übereinander und entfaltet nach und nach, wie eng Privates, Nachbarschaft und mögliche Interessenlagen ineinandergreifen. Dadurch entsteht ein Ermittlungsbild, das von Misstrauen, unausgesprochenen Geschichten und lokalen Verstrickungen lebt. Unser Jury liebte den starken Lokalkolorit, das Dorfleben und die Atmosphäre der Eifel, die den Kriminalfall glaubwürdig erden. Der Roman fesselte uns, denn neben dem zentralen Mordfall gibt es mehrere weitere brisante Themen, was das Buch inhaltlich dichter macht als einen reinen Standardkrimi. Positiv ist auch der charakteristische Schreibstil der Autorin, die in wenigen Sätzen viel Information transportiert.

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