Top-10-Bücher 2025

1
Adama

Adama

Lavie Tidhar Thriller und Krimis

Im Zentrum steht Ruth, eine junge, idealistische Ungarin, die als Jüdin vor dem Nationalsozialismus nach Palästina flieht und dort in einem Kibbuz eine neue Heimat findet. Nach dem Zweiten Weltkrieg gerät sie immer stärker in den Strudel des aufkommenden israelischen Staates: Waffen für Milizen, geheime Operationen, Deals mit zweifelhaften Partnern – alles scheinbar im Dienst einer höheren Sache.​ Über mehrere Jahrzehnte verfolgt der Roman die Familie: Kinder und Enkelkinder wachsen in einem von Konflikten geprägten Land auf, während Altschulden, Verrat und nicht gesühnte Verbrechen wie ein Schatten über ihnen liegen. Die Handlung verbindet persönliche Schicksale (Trauma, Loyalität, Schuld) mit konkreten historischen Ereignissen wie Kriegen, Terrorakten und politischen Wendungen im Nahen Osten. Unser Jury bezeichnet Adama als „brillant geschrieben“ und als „verstörend aktuellen“ historischen Thriller, der sich zugleich wie ein politischer Roman und wie ein Familiendrama liest. Besonders hervorgehoben wird, dass Gewalt und Terror weder heroisiert noch vereinfachend erklärt werden, sondern als Konsequenz von Ideologie, Angst und Machtkämpfen gezeigt werden – der Roman wird dort als der „wichtigste Thriller des Jahres“ eingeordnet.

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2
Asa

Asa

Zoran Drvenkar Thriller und Krimis

Die 14‑jährige Asa Kolbert versteckt sich in der winterlichen Uckermark vor Männern, die seit Tagen Jugendliche jagen – ein Szenario, das zunächst wie ein brutales „Spiel“ wirkt, aber mit einem grausamen Ritual ihrer Gemeinschaft verknüpft ist. Die Handlung springt zwischen Asas verzweifeltem Überlebenskampf im Schnee, Rückblenden in die Geschichte ihrer Familie und Zeitebenen, die bis ins frühe 20. Jahrhundert reichen.​ Stück für Stück begreift Asa, dass sie Teil eines Systems ist, das Gewalt und Unterwerfung seit Generationen weitergibt und legitimiert. Als sie die volle Wahrheit erkennt, kippt der Roman in einen Rachethriller, in dem sie nicht mehr nur Opfer, sondern aktive Gegenspielerin wird – mit Konsequenzen für alle, die das Ritual tragen. Unsere Jury hält das für „Hunger Games in der ostdeutschen Provinz“ und lobt die „perfekte Konstruktion“ des Plots, der über mehr als 100 Jahre die Genealogie von Gewalt und Faschismus nachzeichnet. Asa wird dort als bester deutschsprachiger Kriminalroman 2025 bezeichnet, weil er Thriller-Spannung mit einer verstörend präzisen Analyse von ideologischer Gewalt verbindet.

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3
Der Gott des Waldes

Der Gott des Waldes

Liz Moore Thriller und Krimis

Die Geschichte beginnt 1975 in einem Sommercamp in den Wäldern der Adirondacks (New York): Die 13‑jährige Barbara van Laar verschwindet spurlos aus dem Camp Emerson. Die Familie ist ohnehin traumatisiert, denn Jahre zuvor ist ihr Bruder Bear in denselben Wäldern verschwunden – ein unaufgeklärtes Rätsel, das wie ein Fluch über ihnen liegt.​ Moore erzählt aus verschiedenen Blickwinkeln (Mitbewohnerinnen im Camp, Betreuer:innen, Familienmitglieder) und über mehrere Zeitebenen hinweg, sodass nach und nach sichtbar wird, wie Machtgefälle, Klassenschranken und das fragile Ökosystem „Camp“ zusammenwirken. Der Wald ist nicht nur Kulisse, sondern fast eine eigene Figur: ein Raum, in dem Geheimnisse konserviert und Wahrheiten verschluckt werden. ​ Was es besonders auszeichnet: Unsere Jury bewundert die „vielschichtige Komposition“: Der Roman ist zugleich Kriminalfall, Coming-of-Age-Geschichte und Gesellschaftsstudie über Machtmissbrauch an Kindern und Jugendlichen. Gelobt wird, dass Moore hohe Spannung mit literarischem Anspruch verbindet und ein sehr dichtes, atmosphärisches Setting schafft, in dem die Vergangenheit nie ganz ruht. ​

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4
Sing mir vom Tod

Sing mir vom Tod

Ivy Pochoda Thriller und Krimis

Zwei Frauen, Dios und Florida, werden ungefähr zeitgleich aus dem Gefängnis entlassen und machen sich quer durch Arizona und Kalifornien auf den Weg nach Los Angeles. Auf ihrer Route häufen sich brutale Verbrechen – eine Spur, die sie selbst und alle, denen sie begegnen, in existenzielle Gefahr bringt.​ Pochoda strukturiert den Roman wie einen Roadtrip durch eine toxische, patriarchale Gesellschaft; die Perspektiven wechseln, und eine zusätzliche Erzählstimme kommentiert das Geschehen wie ein moderner „griechischer Chor“. So entsteht ein Panorama von Gewalt gegen Frauen, Armut, Drogen, Sexarbeit und den Versuchen, sich aus diesen Strukturen zu befreien. Unsere Experten empfinden den Roman als „knallhart, kompromisslos“. Die Jury lobt die Mischung aus Pulp‑Energie und literarischer Reflexion: Gewalt wird weder voyeuristisch ausgeschlachtet noch weichgespült. Die ungewöhnliche Form – inklusive chorischer Stimme – und der Fokus auf Täterinnen und Opferrollen von Frauen machen das Buch zu einem der formal spannendsten Thriller des Jahres.

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5
Hüte dich vor der Frau

Hüte dich vor der Frau

Megan Abbott Thriller und Krimis

Jacy, frisch verheiratet und schwanger, fährt mit ihrem Mann nach Michigan, um dessen Vater zu besuchen, der allein in einem abgelegenen Haus im Wald lebt. Zunächst wirkt der Schwiegervater zuvorkommend, fast überfürsorglich, und die Atmosphäre ist nur leicht unheimlich – wie ein klassisches Familienkammerspiel mit unterschwelliger Spannung.​ Als sich Komplikationen in der Schwangerschaft zeigen, wird Jacy zunehmend abhängig von der Kontrolle und den Entscheidungen der Männer um sie herum. Das Haus im Wald verwandelt sich in eine Art Gefängnis, in dem ihr Körper und ihre Zukunft zur Projektionsfläche für patriarchale Vorstellungen werden; Realität und Wahrnehmung beginnen zu verschwimmen.​ Die Jury hebt hervor, dass Abbott mit Gothic-Elementen, Körperhorror und psychologischer Spannung arbeitet, ohne auf explizite Schockeffekte zurückzugreifen. Der Roman gilt als besonders starker Beitrag zum Thema „Kontrolle über den weiblichen Körper“ und als einer der eindringlichsten feministischen Thriller 2025.

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6
Nacht über Soho

Nacht über Soho

Kate Atkinson Thriller und Krimis

London in den 1920ern: Nellie Coker, eine Art „Nachtclub‑Queen“, kehrt nach einem Gefängnisaufenthalt zurück und versucht, ihr Unterwelt‑Imperium gegen Rivalen, korrupte Polizisten und die britische High Society zu verteidigen. Ihre Clubs sind zugleich Orte der Ekstase und Schattenräume, in denen Drogen, Prostitution und Gewalt allgegenwärtig sind.​ Parallel dazu wird Gwendolen, eine vermeintlich harmlose Bibliothekarin vom Land, als verdeckte Ermittlerin in dieses Milieu eingeschleust, um das Verschwinden mehrerer Tänzerinnen und Prostituierter aufzuklären. Zwischen glitzernden Nächten, Elendsvierteln und dunklen Gassen spinnt sich ein Geflecht aus Intrigen, familiären Geheimnissen und Polizeiversagen. Wir loben ausdrücklich die akribische historische Recherche und die Fähigkeit Atkinsons, aus einem „glamourösen“ Setting ein schonungsloses Gesellschaftsporträt der Klassen- und Geschlechterordnung zu machen. Der Roman verbindet klassischen Krimiplot mit literarischer Finesse und wird als einer der stärksten historischen Kriminalromane des Jahres gewertet.

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7
Der Beweis meiner Unschuld

Der Beweis meiner Unschuld

Jonathan Coe Thriller und Krimis

2022 versammelt sich in einem englischen Landhaus eine Gruppe von Politiker:innen, Lobbyist:innen und Expert:innen zu einer Konferenz über das Gesundheitssystem – offiziell harmlos, inoffiziell geht es um die Privatisierung des NHS. Ein investigativer Blogger will dort Beweise für die Verflechtungen zwischen konservativen Kreisen und Gesundheitskonzernen sammeln, doch er stirbt kurz darauf unter mysteriösen Umständen.​ Coe nutzt das Setting des klassischen „Country‑House‑Mystery“: eine begrenzte Anzahl Verdächtiger, ein isolierter Schauplatz, Spannungen untereinander. Gleichzeitig verschränkt er den Krimiplot mit politischen Debatten und zeigt, wie Medien, Lobbyarbeit und Ideologie öffentliche Systeme aushöhlen können.​ Für uns der cleverste Krimi 2025: Coe parodiert liebevoll das traditionelle Krimigenre, während er messerscharf den realen Konservatismus in Großbritannien und die Nähe zur US‑Rechten analysiert. Die Mischung aus Humor, Gesellschaftssatire und funktionierendem Whodunit‑Plot macht das Buch zu einem seltenen Fall von „unterhaltsamer Systemkritik“.

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8
Jenseits aller Zeit

Jenseits aller Zeit

Sebastian Barry Thriller und Krimis

Tom Kettle, ein ehemaliger irischer Detective Sergeant, lebt zurückgezogen in einer kleinen Wohnung an der irischen Küste. Seine scheinbar ruhige Pension wird durch einen alten Fall erschüttert: den Mord an einem Priester und den systematisch vertuschten Kindesmissbrauch in katholischen Einrichtungen.​ Während Tom von Kollegen gebeten wird, noch einmal in die Unterlagen zu schauen, brechen persönliche Erinnerungen und Traumata auf: die eigene Kindheit, die Rolle der Kirche, politische Gewalt in Irland und familiäre Verluste. Der Roman bewegt sich in einem fließenden Raum aus Gegenwart, Erinnerung und Halluzination – oft ist unklar, ob Tom Ereignisse erlebt oder rekonstruiert.​ Das Buch ist ein „dunkles literarisches Meisterwerk“, weil Barry einen Kriminalfall nutzt, um strukturelle Gewalt (Missbrauch, Verstrickung von Kirche und Staat, IRA‑Terror) in einer poetischen, aber gnadenlosen Sprache zu verhandeln. Die Verknüpfung von Naturbildern, inneren Monologen und hartem Realismus hebt den Roman deutlich aus dem „reinen Genre“ heraus.

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9
Unten leben

Unten leben

Gustavo Faverón Patriau Thriller und Krimis

George Bennett ist ein Filmemacher – und Serienmörder: Er dokumentiert seine Taten mit der Kamera, während er Anfang der 1990er Jahre durch Südamerika reist, um die Vergangenheit seines Vaters zu erforschen, eines CIA‑Agenten, der in der Zeit der Militärdiktaturen Folter und „Verschwindenlassen“ organisierte.​ Der Roman ist wie ein Labyrinth aufgebaut: Berichte, Dokumente, Erinnerungen, fiktive und reale historische Figuren (inklusive Nazi‑Verbrechern) verschränken sich; Gewaltbilder und politische Geschichte überlagern sich ständig. Die tatsächliche Handlung ist weniger „Wer war der Täter?“ als „Wie reproduziert sich Gewalt in Bildern, Narrativen und Institutionen?“. Unten leben ist die „Herausforderung“ der Krimibestenliste: extrem düster, formal experimentell, zugleich tief in die Geschichte lateinamerikanischer Diktaturen eingebettet. Es ist eher ein postmoderner Albtraum als ein klassischer Thriller – empfohlen für Leser:innen, die bei Kriminalliteratur maximale formale und inhaltliche Radikalität suchen.

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10
Tod unter Wacholdern

Tod unter Wacholdern

Jo Ann Martin Thriller und Krimis

Tod unter Wacholdern ist ein regional verankerter Kriminalroman, der einen rätselhaften Leichenfund in der Vulkaneifel zum Ausgangspunkt für Ermittlungen und Dorfkonflikte macht. Die Geschichte beginnt mit einem Leichenfund in einem Wacholderschutzgebiet nahe des Eifeldorfes Loogh – die Tote/der Tote wird in auffällig-grotesker Haltung entdeckt, was den Fall von Beginn an ungewöhnlich macht. Hauptkommissar Leo Werner aus Daun übernimmt die Ermittlungen, obwohl es „eigentlich gar nicht sein Fall“ ist, und stößt dabei auf ein Dorf, in dem viele mehr zu wissen scheinen, als sie sagen. Parallel mischen sich die Biologin Alex Cameron und Menschen aus ihrem Umfeld ein, was zusätzliche Dynamik und Reibung in die Aufklärung bringt. Das Buch nutzt das Setting der Vulkaneifel sehr präsent: Landschaft, Schutzgebiet und dörfliche Strukturen sind nicht nur Kulisse, sondern wirken auf Motive, Möglichkeiten und Verdächtigungen ein. Statt einer simplen Whodunit-Spur legt der Roman mehrere Konfliktlinien übereinander und entfaltet nach und nach, wie eng Privates, Nachbarschaft und mögliche Interessenlagen ineinandergreifen. Dadurch entsteht ein Ermittlungsbild, das von Misstrauen, unausgesprochenen Geschichten und lokalen Verstrickungen lebt. Unser Jury liebte den starken Lokalkolorit, das Dorfleben und die Atmosphäre der Eifel, die den Kriminalfall glaubwürdig erden. Der Roman fesselte uns, denn neben dem zentralen Mordfall gibt es mehrere weitere brisante Themen, was das Buch inhaltlich dichter macht als einen reinen Standardkrimi. Positiv ist auch der charakteristische Schreibstil der Autorin, die in wenigen Sätzen viel Information transportiert.

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