Leinen los (Gisa Pauly)
Es gibt wieder Neues von einer meiner Lieblingsautorinnen, Gisa Pauly: kein Mamma Carlotta-Krimi, sondern die Fortsetzung ihres Kreuzfahrt-Romans „Käpt’ns Dinner“, der vor knapp zwei Jahren erschienen ist. Diesmal startet die „Soleil“ von Hamburg aus zu einer mehrwöchigen Reise in die Karibik. Mit an Bord sind wieder Kapitän Lukas Jantzen und seine Schwester Maria, die Leiterin des Bordshops. Sie werden von einigen Familienmitgliedern begleitet: Schwester Barbara ist ebenso an Bord wie Marias Sohn Jonas und dessen Frau Emily. Auch Robert, der Vater von Lukas, Maria und Barbara, ist – für seine Familie überraschend – mit von der Partie.
Schon bald vertraut Robert seiner Tochter Maria an, warum er unbedingt mit auf die Reise wollte und warum vor allem seine Ehefrau, die ihn auf Geschäftsreise wähnt, nichts davon erfahren darf. Roberts Gründe haben etwas mit der berühmten Schauspielerin Diana Major zu tun. Die möchte ihre Memoiren herausbringen, die von einer Ghostwriterin an Bord der „Soleil“ geschrieben werden. Und es gibt etliche Menschen, die vor dem Erscheinen dieser Memoiren Grund zum Zittern haben.
Eine weitere Berühmtheit an Bord ist Edelbert Graf, ein erfolgreicher Autor von Eheratgebern. Edelberts Anwesenheit bringt Maria gehörig aus dem Gleichgewicht, denn vor über 30 Jahren war er ihre große Liebe, der sie aber zugunsten seiner Karriere verlassen hat, was Maria noch immer schmerzt. Nun kommt es zu einem folgenreichen Wiedersehen und etlichen turbulenten Verwicklungen. Dazu tragen auch ein geliebtes Kuscheltier mit wertvollem Inhalt, ein penetranter Journalist und einige andere Passagiere bei, mit denen es Maria und ihre Familie auf der Kreuzfahrt zu tun haben.
Beim ersten Band fiel es mir zeitweise schwer, den Überblick zu behalten angesichts so vieler Personen, die in der Geschichte vorkommen. Das gelang mir diesmal deutlich besser, weil ich mich an die Hauptpersonen vom ersten Band her noch erinnerte. Dennoch wäre ein Personenregister am Anfang des Buches sicher hilfreich, zumal wenn man den ersten Band nicht kennt. Um bei der Handlung mitzukommen, braucht man die Vorkenntnisse aus „Käpt’ns Dinner“ aber nicht. Der erste Band wurde noch aus sieben verschiedenen Perspektiven erzählt, bei „Leinen los“ beschränkt sich die Autorin auf fünf Perspektiven, nämlich die der Familie Jantzen, außer Vater Robert, der bleibt bis zuletzt ein wenig undurchsichtig – für seine Familie ebenso wie für die Leser*innen.
Die häufig wechselnden Perspektiven sorgen für so manchen Cliffhanger, der die Spannung zusätzlich erhöht. Denn die Geschichte ist von Anfang an temporeich und unterhaltsam erzählt, ich konnte das Buch kaum weglegen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie sich am Ende alles auflöst. Wie schon der erste Band vereint auch dieser die Genres Familienroman und Cosy Crime in sich. In ein, zwei Szenen hatte ich kleine Fragezeichen hinsichtlich der Logik im Kopf, aber das ist verglichen zum Gesamteindruck verschmerzbar, insgesamt fühlte ich mich aufs Beste unterhalten.
Fazit: Gerade für die Urlaubszeit eine sehr empfehlenswerte Lektüre.
