Felicità! (Aja Leuthner)
Die Autorin Aja Leuthner, die mit vollem Vornamen eigentlich Alexandra heißt, kenne ich schon seit vielen Jahren zumindest dem Namen nach als Kollegin, denn sie arbeitet wie ich als Journalistin: sie bei der Süddeutschen, ich beim Münchner Merkur im Landkreis Ebersberg. Bei der Buchmesse Rosenheim 2024 lernten wir uns dann endlich auch mal persönlich kennen. Dort stellte Aja Leuthner ihre beiden Italien-Romane „Via Torino“ und eben „Felicità!“ vor, die daraufhin beide umgehend auf meine Wunschliste wanderten. Diesen Sommer bin ich nun endlich dazu gekommen, zumindest "Felicità!" zu lesen.
Die Geschichte dreht sich um die drei Frauen Elli, Marie und Giovanna, die sich schon seit ihrer Grundschulzeit kennen. Damals gehörte auch noch Giovannas Zwillingsschwester Antonella zu dem unzertrennlichen Kleeblatt, doch Antonella ist inzwischen nicht mehr am Leben – wie es dazu kam, wird erst spät im Buch enthüllt. Ebenso die Gründe, warum die Zwillinge, die in Rom geboren wurden und dort ihre ersten Lebensjahre verbrachten, überhaupt mit ihrem deutschen Vater nach München kamen, nachdem ihre Mutter unter tragischen Umständen gestorben ist.
In ihrer Kindheit, Jugend und jungen Erwachsenenzeit waren die vier Mädchen die allerbesten Freundinnen und haben gemeinsam so manchen Schicksalsschlag und viele Krisen gemeistert. Aber inzwischen sind Elli, Marie und Giovanna Mitte 40 und haben sich auseinander gelebt: Zwar haben Elli und Giovanna noch sporadisch Kontakt, leben aber sehr unterschiedliche Leben. Und Marie ist nach Italien ausgewandert, in ein kleines Dorf in den Sibillinischen Bergen, wo sie gemeinsam mit einigen anderen deutschen Aussteigern eine kleine Landwirtschaft betreibt.
Giovanna leidet noch immer sehr unter dem Verlust ihrer Schwester. Früher haben sie gemeinsam musiziert, doch seit Antonellas Tod hat Giovanna kein Instrument mehr in die Hand genommen. Doch nun sieht sie in einem italienischen Geschäft dieses wunderschöne Akkordeon … Elli begleitet sie auf ihrer Reise, um das Instrument abzuholen und fädelt dabei auch gleich ein Wiedersehen mit Marie ein. Anfangs fremdeln vor allem Marie und Giovanna sehr miteinander, zu viel Ungesagtes und Missverstandenes steht zwischen ihnen. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse …
Ich habe ein wenig gebraucht, bis ich in die Geschichte hinein gefunden habe. Im ersten Teil geht es um die Anreise von Giovanna und Elli und diese Reise zieht sich, nicht zuletzt dank vieler ausschweifender Landschaftsbeschreibungen, die ich irgendwann ehrlich gesagt nur noch quer gelesen habe, hier fehlte mir ein wenig das Tempo, aber das liegt sicher vor allem an meiner eigenen Ungeduld.
Doch spätestens, als die beiden Frauen bei Marie eintreffen, wird es spannend. Es gibt so viele Fragen zu klären, denen man auch als Leser*in auf den Grund gehen möchte. Zudem tauchen noch einige weitere interessante Personen in der Geschichte auf und dann kommt es schließlich zu einem sehr dramatischen Erlebnis, das dafür sorgte, dass ich mitgebangt und mitgehofft habe und das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte – und dafür, dass die Geschichte auch noch lange nachgewirkt hat, nachdem ich das Buch schon längst beendet hatte.
Ganz nebenbei erfährt man im Roman bzw. im Nachwort auch einiges über die politischen Verhältnisse in Italien in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren. Da fand ich die Erläuterungen im Nachwort sehr hilfreich, denn einige der Schlagworte hatte ich zwar schon mal gehört, wusste aber nichts Näheres darüber. Das hat sich nun dank dieser Lektüre geändert.
Fazit: Unterm Strich war das eine sehr interessante, spannende, aufwühlende Geschichte, die mich nach kleinen Startschwierigkeiten nicht mehr losgelassen hat. Und über Italiens Geschichte habe ich dabei auch noch was gelernt.
