Die sieben Männer der Evelyn Hugo (Taylor Jenkins Reid)
Glamourös und grausam zugleich
Evelyn Hugo ist eine begnadete, reiche und berühmte Hollywood-Größe, die jetzt im recht hohen Alter beschließt, ihre Memoiren zu veröffentlichen. Viele Journalisten haben sich am Versuch ein Interview mit ihr zu ergattern, die Zähne ausgebissen, umso überraschender ist da Evelyns Entscheidung die Lokaljournalistin Monique Grant als Ghostwriterin zuwählen. Dann erzählt Evelyn ihre Geschichte.
Mit gerade mal 16 Jahren wird ihr klar, dass ihr Aussehen das einzige Kapital ist, welches sie besitzt. Um ihrer ärmlichen Umgebung zu entkommen, heiratet sie zu ersten Mal einen jungen Mann, von dem sie weiß, dass er nach Hollywood geht. Sehr bald ergattert sie ihre erste Filmrolle und beginn damit ihre Kariere aus Schauspielerin in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Dabei liegt der Fokus sehr lange auf ihrer Schönheit und vor allem auf ihrem üppigen Dekolleté. Evelyn weiß ihre Wirkung auf Männer zu nutzen und benutzt diese auf ihrem Weg zum Ruhm und Erfolg. Doch die Schattenseite davon hinterlässt ihre Spuren. Sie muss nicht nur Kompromisse eingehen, sondern sich selbst regelrecht verleugnen, um die gesellschaftlichen Erwartungen zu erfühlen. Sie erlebt Gewalt und Lügen, in einer Welt in die Männer das Sagen haben und sie nur ein Objekt darstellt. Doch lässt sie sich von diesen Ungerechtigkeiten nicht aufhalten und ordnet ihr Leben dem Ziel, eine Berühmtheit zu sein unter. Auch die Liebe ihres Lebens.
Ihre Beziehung zu Cecilia wird sehr realistisch beschrieben. Evelyns Zerrissenheit zwischen ihren Zielen und dieser Frau wird nachvollziehbar beschrieben. Spannend fand ich auch wie ihre beiden Moralvorstellungen mit einander kollidierten und die Beziehung authentisch wirken ließen.
Reids Schreibstill ist einfach und doch mitreißend. Der Roman hat mich direkt nach den ersten Seiten in seinen Sog gezogen. Die Geschichte ist sehr lebendig und aufregend verfasst. Die Figuren sind vielschichtig und in ihren Handlungen oft widersprüchlich. Doch genau darin besteht für mich der Reiz, dass eben ein Charakter, der nicht immer sympathisch ist, einem auch ans Herz wachsen kann. Dabei hat mich die Figur der Evelyn natürlich besonders fasziniert. Auf der einen Seite musste sie egoistisch und gefühlskalt sein, um in dieser grausamen Welt voller Glamour zu bestehen, und auf der anderen Seite waren da die zärtlichen Gefühle für den Menschen, den sie liebte. Mit scheinbarer Leichtigkeit fällte sie große Entscheidungen und setzte diese mit einer unglaublichen Willensstärke um. Ihre Prioritäten hat sie klar differiert und stellt sie vor dem Hintergrund zahlreicher Entbehrungen, immer wieder in Frage.
Im Laufe der Geschichte wird auch die Rolle der jungen Journalistin Monique klar. Und als sich das Arrangement des Interviews dem Ende nähert, begreift Monique schließlich, auf welch schmerzhafte Weise ihr Leben, mit dem des Hollywoodstars verbunden ist. Diese Enthüllungen über das Leben von Evelyn Hugo haben die Kraft ihr Leben zu zerstören oder es erst richtig in Schwung zu bringen.
Es ist eine tiefgründige Geschichte, die sich wie ein Puzzle Stück für Stück zusammensetzt und in Erinnerung bleibt. Evelyn kann ihre Welt nicht ändern, also kämpft sie nicht gegen Windmühlen, sondern macht sie sich zu nutze. Sie sieht in ihren Ehen und Beziehungen keine romantischen Klischees, sondern Gemeinheiten, um in einer Welt, die mehr schein als sein ist, zu bestehen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.
