Die Malweiber und der Blaue Reiter (Birgit Poppe)
Ich interessiere mich ja schon lange für die Künstlergruppe Blauer Reiter und verschlinge alles, was es dazu zu lesen gibt. Deshalb war mein Interesse natürlich sofort geweckt, als ich sah, dass im Gmeiner-Verlag ein Buch der Autorin und Kunsthistorikerin Birgit Poppe zu diesem Thema erscheint.
Im Roman geht es, wie der Titel schon sagt, um die Frauen in jener Künstlergruppe: Gabriele Münter, Maria Franck-Marc und Marianne von Werefkin. Sie alle lebten um das Jahr 1900 herum in München und kämpften um Anerkennung als professionelle Künstlerinnen. Zu dieser Zeit waren Frauen, die malten, nämlich leider noch nicht so anerkannt wie ihre männlichen Kollegen, vielmehr wurden sie meist abwertend „Malweiber“ genannt.
Erzählt wird auch vom Privatleben der drei Frauen, das von ihrem künstlerischen Schaffen ohnehin kaum zu trennen ist: Gabriele Münter verliebte sich in Wassily Kandinsky, Maria Franck in Franz Marc und Marianne von Werefkin in Alexej Jawlensky. Leider waren alle drei Beziehungen nicht besonders glücklich: Marianne gab ihre eigene Karriere auf, um Alexej zu fördern. Er dankte es ihr, indem er ihr Hausmädchen schwängerte. Die unglückliche Liebe von Gabriele und Wassily ist inzwischen hinreichend bekannt und sogar verfilmt worden. Sogar Franz Marc war erstmal ein rechter Hallodri, bevor er sich endgültig zu Maria bekannte. Ihnen blieb nur eine kurze glückliche Zeit vergönnt, bevor er im Ersten Weltkrieg fiel.
Im Buch wird das Schicksal der drei Frauen über ein gutes Jahrzehnt hinweg erzählt, jedes Kapitel handelt abwechselnd von einer der drei Künstlerinnen. Es dauert eine ganze Weile, bis sie sich tatsächlich kennenlernen und auch dann entsteht nicht wirklich eine Freundschaft zwischen ihnen. Im Laufe der Geschichte erfährt man mehr über ihr Leben, ihr Schaffen und das ihrer Lebensgefährten, bis die Handlung im Jahr 1914 zu Beginn des Ersten Weltkriegs endet. Dabei werden auch August und Elisabeth Macke am Rande häufiger erwähnt. Im Epilog wird erzählt, wie es mit den Frauen nach dem Krieg weiterging, danach folgt eine Auflistung der im Roman erwähnten Gemälde und eine Literaturauswahl.
Vor allem zu Gabriele Münter und Maria Marc wusste ich schon vorher einiges, daher lernte ich im Buch vor allem Neues über Marianne von Werefkin. So spannend das Leben aller drei Frauen war, so zog sich die Lektüre doch leider ein wenig in die Länge. Manchmal wusste ich nicht so ganz, ob ich nun einen Roman las oder ein Sachbuch, es fehlte einfach das letzte Quäntchen Spannung, das einen an der Lektüre dranbleiben lässt. So habe ich einige Passagen nur quer gelesen, während andere mich dann doch gepackt haben. Da hätte man meiner Meinung nach vielleicht noch ein wenig straffen können.
Fazit: Alles in allem war das eine interessante Lektüre, die sich aber vielleicht vor allem für diejenigen Leser*innen eignet, die noch nicht allzu viel über diese drei Künstlerinnen wissen.
