Five - das Ticken der Zeit (Ilona Bannister)
„Mancherorts entscheiden fünf Minuten über ein ganzes Leben.“
Fünf Menschen, ein Bahnsteig und ein Countdown, der unaufhaltsam seinem Ende entgegenläuft. Was zunächst wie eine zufällige Begegnung wirkt, entwickelt sich zu einem psychologischen Kammerspiel, das mich nicht nur mitfiebern, sondern auch innehalten lässt. Denn hinter jeder Fassade verbirgt sich eine eigene Geschichte, voller Verletzungen, Ängste, Sehnsüchte und Geheimnisse.
Überaus interessant finde ich das außergewöhnliche Erzählkonzept: Während die Zeit beinahe in Echtzeit verrinnt, entfalten sich nach und nach die Lebensgeschichten der fünf Protagonisten. Die ungewöhnliche Erzählstimme bezieht dabei auch uns Lesende ein und hält uns einen Spiegel vor. Wie schnell urteilen wir über Menschen, deren Vergangenheit wir gar nicht kennen? Und wem gestehen wir Mitgefühl zu?
Ilona Bannisters Schreibstil ist temporeich, atmosphärisch und psychologisch feinfühlig. Die wechselnden Perspektiven und geschickt gesetzten Einblicke in die Vergangenheit verleihen der Geschichte Tiefe, ohne die Spannung aus dem Blick zu verlieren. Besonders gelungen finde ich, dass die Figuren nicht in einfache Schubladen passen, sondern mit all ihren Widersprüchen menschlich bleiben dürfen.
Fazit: „FIVE - das Ticken der Zeit“ ist für mich mehr als ein spannender Wettlauf gegen die Zeit: es ist eine eindringliche Erinnerung daran, wie zerbrechlich das Leben ist und wie viel Menschlichkeit sich hinter fremden Gesichtern verbergen kann.
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