Soul of München (Christine Gräfin von der Pahlen & Bernd Bliemel)

Soul of München (Christine Gräfin von der Pahlen & Bernd Bliemel)

Soul of München (Christine Gräfin von der Pahlen & Bernd Bliemel)

Blogger: Susanne Edelmann
Datum: 31. Oktober 2026
Kategorie: Reiseberichte, Sach- und Fachbuch

Als waschechtes Münchner Kindl bilde ich mir ein, meine Heimatstadt ganz gut zu kennen. Oft und gerne nehme ich auch an Stadtführungen teil, die in weniger bekannte Ecken Münchens abseits der ausgetretenen Pfade führen. Doch man lernt ja bekanntlich nie aus, deshalb war mein Interesse gleich geweckt, als mir dieses Buch zum Rezensieren angeboten wurde.

Dem Text der Einleitung kann ich voll und ganz zustimmen: „München ist mehr als die Summe seiner Prachtbauten, Brauereien und tief verwurzelten Traditionen. Hinter einem braven und wohlhabenden Antlitz verbirgt sich eine überraschend junge, kreative und dynamische Stadt.“ (Zitat) Was dieser Reiseführer nicht bietet, sind die x-ten Tipps zu Oktoberfest, Frauenkirche, Hofbräuhaus und anderen Touristenlokalen. Stattdessen verspricht das Buch viele Infos zu verborgenen Orten, die auch manch Münchner*in noch nicht kennt. Gut, ob das Müller’sche Volksbad oder ein Fischgeschäft am Viktualienmarkt nun tatsächlich Geheimtipps sind, sei dahingestellt. Tatsächlich aber habe ich in diesem Buch manches entdeckt, das ich noch nicht kannte oder – obwohl ich schon davon gehört habe – zumindest noch nie besucht habe.

Am Anfang findet sich eine Übersichtskarte auf einer Doppelseite. Leider sind die dort markierten Orte aber nicht mit ihrem eigentlichen Namen benannt, also z.B. mit Müller’sches Volksbad, sondern mit der Überschrift des jeweiligen Kapitels, in diesem Fall also mit „Das schönste unter Münchens Hallenbädern“. Das mag in diesem Fall noch angehen, aber was verbirgt sich denn hinter der Markierung Nr. 12, die nur mit „Ein wunderbarer Ort“ überschrieben ist? Eine Seitenangabe hinter diesem Text fehlt, also blättere ich durch das Buch, bis ich das Kapitel zum Ort Nr. 12 gefunden habe, und erfahre, es handelt sich hier um eine Nachbarschaftskneipe. Mir persönlich ist das ein klein wenig zu unübersichtlich, ich mag es, wenn ich mich auf einer Karte und ihrer Legende auf den ersten Blick zurechtfinde.

Die insgesamt 31 Kapitel / Orte beginnen mit einigen Hoteltipps – also, als Einheimische habe ich persönlich in München noch nie ein Hotel gebraucht, daher würde ich hier auch keinen Tipp abgeben wollen, aber das Buch richtet sich ja nicht nur an Münchner*innen, sondern auch an Reisende, die mehr entdecken wollen als die üblichen Sehenswürdigkeiten. Weiter geht es mit einigen ungewöhnlichen Gaststätten und Bars, von rustikal bis exklusiv, darunter auch eine öffentlich zugängliche Theaterkantine und der Schelling-Salon, in dem schon Rilke, Brecht und Kandinsky einkehrten.

Gut gefallen hat mir das Kapitel über eine Fußballkneipe, in der offenbar Fans verschiedener Vereine friedlich zusammenkommen. Und wie schön ist bitte diese Geschichte? Als das Lokal aus diversen Gründen vor dem Aus stand, hat eine Gruppe von HSV-Fans (!) eine Spendenaktion organisiert und die Kneipe damit gerettet. Das passt doch hervorragend zum Münchner Motto „leben und leben lassen“, oder?

Vorgestellt werden auch einige besondere Geschäfte und Kinos, es gibt einen Vorschlag für einen Stadtrundgang zu Schwabings Jugendstilfassaden und Ausflugstipps zu den Seen im Münchner Umland – und zwar ausdrücklich nicht zu Starnberger und Ammersee, sondern zu den weniger bekannten kleineren Seen. Und dabei habe ich z.B. einen Biergarten-Tipp entdeckt, den ich mir unbedingt merken muss für den nächsten Sommer. Apropos: Im Buch enthalten sind Tipps für jede Jahreszeit, so auch eine Eisstockbahn auf der Terrasse von Münchens höchst gelegener Rooftop-Bar.

Alles in allem ist dies eine natürlich subjektive, aber doch sehr vielfältige und schön kuratierte Auswahl an Orten, die einen Besuch wert sind. Jedes Kapitel wird mit zahlreichen Fotos illustriert, die oft auch sehr liebevolle Details aufzeigen, was mir gut gefällt. Etwas mühsam fand ich hingegen das Blättern im Buch: Um die Bilder und Texte gut betrachten zu können, muss man das Buch quasi mit Gewalt aufbiegen, denn die Bindung ist so eng, dass die aufgeschlagene Seite immer wieder zufällt und man richtig Kraft aufwenden muss, um das Buch beim Lesen offen zu halten, das ist auf die Dauer etwas anstrengend. Auch fand ich die graue Schrift auf den weißen Seiten leider wenig kontrastreich und nicht gut lesbar. Das führte für mich dann zu einer kleinen Abwertung dieses insgesamt aber dennoch gut gelungenen Buches.


Susanne Edelmann
Freie Journalistin mit Leidenschaft für Lokalberichte, Reisen und vor allem für Bücher. Auf meinem Blog, der seit 2014 existiert, teile ich Buchrezensionen, Reiseberichte sowie Erlebnisse von zuhause und unterwegs. Hier geht es zu meiner Webseite: https://www.susanne-edelmann.de und hier zu Instagram: https://www.instagram.com/susanne_edelmann/
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