Kult-Gitarren (Eleanor Jane)
Aus dem Prestel-Verlag habe ich schon einige schöne Bildbände über Künstler wie Monet oder Van Gogh daheim, in denen ich immer wieder gerne blättere. Nun bekam ich vom Verlag ein ganz besonderes Buch zum Rezensieren angeboten, bei dem ich sofort an meinen Mann denken musste. Warum? Nun, es handelt sich hier um einen prächtigen Bildband namens „Kult-Gitarren“ und mein Mann spielt nicht nur selbst Gitarre, sondern er sammelt sie auch, wir haben bereits einige schöne Instrumente an den Wänden hängen, von denen jedes seine eigene Geschichte erzählt.
Genauso ist es auch bei diesem Buch: Die britische Fotografin Eleanor Jane hat über viele Jahre hinweg Musiker und ihre Instrumente fotografiert. Und so entstand diese Sammlung von insgesamt 35 ikonischen Gitarren, die hier liebevoll in Szene gesetzt wurden. Das Buch ist schon optisch extrem ansprechend: Es hat 240 Seiten mit 285 sehr hochwertigen Farbabbildungen, ist ca. 25 x 32,5 cm groß und steckt in einem Schmuckschuber.
In der Einführung erzählt die Fotografin, wie und wo die Bilder entstanden sind: mal backstage auf Tour, mal im Probenraum, in Aufnahmestudios, den Privatwohnungen der Musiker oder sogar in Museen. John Lennon etwa hatte ein Musikzimmer im Dachgeschoss seines Anwesens (was mein Mann mit Freude gelesen hat, denn auch er hat sich nach dem Auszug unserer Söhne im Dachgeschoss ein Musikzimmer eingerichtet).
Jeder Gitarre sind mehrere Seiten gewidmet. Es startet immer mit einer Totalaufnahme auf der linken Hälfte der Doppelseite, rechts steht ein einleitender Text zum Instrument, zum Künstler und zur Entstehungsgeschichte der Fotos. Auf den Folgeseiten gibt es dann mehrere Detailaufnahmen der jeweiligen Gitarre. Meinem Mann und mir hat dabei besonders gut gefallen, dass die Fotos nicht „geschönt“ sind, sondern die Gitarren mit all ihren Macken zeigen: den Kratzern und Abschürfungen im Holz, den Aufklebern, den Lackabplatzern und all den anderen Details, die zeigen, dass die Instrumente benutzt und geliebt werden.
Insgesamt sind die Instrumente folgender Musiker im Buch vertreten: Bukka White, Howlin‘ Wolf, Woody Guthrie, Bob Dylan, Dave Davies (The Kinks), George Harrison (The Beatles), John Lennon (The Beatles), Jimi Hendrix, Jerry Garcia (Grateful Dead), Keith Richards / Mick Taylor (The Rolling Stones), David Gilmour (Pink Floyd), Rory Gallagher, Brian Ray, Brian May (Queen), Bernie Marsden (Whitesnake), Joe Perry (Aerosmith), Kirk Hammett (Metallica), Steve Vai, Neal Schon (Journey), Prince, Eric Clapton, Thurston Moore (Sonic Youth), John Frusciante (Red Hot Chili Peppers), Kurt Cobain (Nirvana), Tom Morello (Rage Against The Machine), Jeff Buckley, Rivers Cuomo (Weezer), James Dean Bradfield (Manic Street Preachers), Noel Gallagher (Oasis), Dave Grohl (Foo Fighters), Joe Bonamassa, Jack White (The White Stripes), Matt Bellamy (Muse), Jason Isbell und Phoebe Bridgers.
So unterschiedlich wie die Musikrichtungen der genannten Musiker sind auch ihre Instrumente und genau das macht die Faszination dieses Buches aus. Brian May von Queen etwa hat als 15-Jähriger zusammen mit seinem Vater seine „Red Special“ selbst gebaut, unter anderem mit Holz aus einer 100 Jahre alten Kaminverkleidung und mit Perlmuttintarsien, die Brian von Hand geformt hat – aus Knöpfen, die er im Handarbeitskorb seiner Mutter fand. Das sind Geschichten, wie man sie sich nicht besser ausdenken kann!
Wenn ich hier von „Musikern“ schreibe, so hat das leider seine Berechtigung, denn wie die o.g. Aufzählung zeigt, ist im Buch nur eine einzige weibliche Musikerin mit ihrer Gitarre vertreten. Von ihr wird im Buch erzählt, dass sie 2021 bei einem Auftritt ihre Gitarre zerschmetterte, was einen heftigen Shitstorm auslöste – bei männlichen Musikern hingegen gehört das Zerstören von Gitarren auf der Bühne ja beinahe schon zum guten Ton (auch wenn mein Mann immer sehr leidet, wenn er sowas sieht!). Einige Gitarristen kaufen für diesen Gewaltakt während einer Show sogar extra billige Gitarren, die eigens fürs Zertrümmertwerden entworfen wurden! Doch was die Männer wie selbstverständlich dürfen, war bei der weiblichen Gitarristin offensichtlich ein Sakrileg …
Diese und viele andere Anekdoten machen das Buch zu einem kostbaren Schatz für jeden Gitarrenliebhaber. Mein Mann sagte: „Das Herz eines Sammlers schlägt beim Betrachten des Buches höher“ – und ich habe jetzt schon Sorge, welche Gitarre er sich zu Weihnachten wünscht 😉
Fazit: Es muss ja nicht gleich eine neue teure Gitarre sein, auch dieser opulente Bildband eignet sich ganz hervorragend als Geschenk für jeden Musikliebhaber. Das Buch macht allein optisch schon mächtig Eindruck und beim Durchblättern lässt es sich ganz wunderbar träumen.
