Lindt & Sprüngli 3 (Lisa Graf)
Das Warten hat ein Ende: Endlich ist die Lindt & Sprüngli-Saga von Autorin Lisa Graf vollendet! Nach „Zwei Familien, eine Leidenschaft“ (Oktober 2024) und „Zwei Rivalen, ein Traum“ (Oktober 2025) ist nun mit „Zwei Dynastien, ein Vermächtnis“ der dritte und letzte Teil dieser spannenden Romanserie erschienen. Die Geschichte spielt in den Jahren 1882 bis 1909, in einer Zeit des Wandels und der Erfindungen: Telefone, Telegrafen, Wasserklosetts und andere Annehmlichkeiten halten mehr und mehr Einzug auch in Privathäusern, in den Städten fahren Trambahnen, die zunehmend elektrisch betrieben werden, immer mehr Zugverbindungen nehmen ihren Betrieb auf.
In Zürich findet die große Landesausstellung statt, in der Schweizer Erfindungen und Errungenschaften der Öffentlichkeit präsentiert werden. Auch die großen Schokoladenhersteller haben dort ihre Stände. Neben dem Zürcher Unternehmen Sprüngli ist auch Rodolphe Lindt mit einem (vergleichsweise bescheidenen) Stand vertreten, nachdem Binia beharrlich auf ihn eingeredet hat, dass er sich dort präsentieren müsse. Eigentlich hat Rodolphe dazu gar keine Lust, zu groß ist seine Angst, dass seine Konkurrenten nichts unversucht lassen werden, um hinter das Geheimnis seiner besonders cremigen Schokolade zu kommen. Niemand ahnt bisher, dass dies an der Conche liegt, die er 1897 erfunden hat.
Doch der Erfolg seiner Erfindung setzt Rodolphe Lindt zunehmend unter Druck, denn während die übrigen Schokoladenhersteller expandieren und ihre Waren auch außerhalb der Schweiz verkaufen, bleibt die „Chocolat Lindt créé à Berne“ klein und überschaubar. Lindt hat weder den Ehrgeiz und Biss noch die finanziellen Mittel, um sein Unternehmen zu vergrößern. Schließlich lässt er sich sogar zu dem Satz „Ich hasse meine Erfindung“ (Zitat) hinreißen. Doch ihm wird klar, dass er irgendwann die Weichen für die Zukunft stellen muss – da kommt die Familie Sprüngli aus Zürich ins Spiel …
Die lange, teilweise zähe Entstehungsgeschichte des heutigen Erfolgsunternehmens, das gerade in den Anfangsjahren der Fusion mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, nimmt natürlich den weitaus größten Raum im Roman ein. Daneben wird aber auch die Geschichte von Binia weitererzählt und anhand weiterer Frauenfiguren aus dem Umfeld der Familie Sprüngli wird auch das Thema Frauen und Frauenrechte ganz allgemein behandelt. So war ich überrascht zu lesen, dass Kaffee damals offenbar ein reines Männergetränk war – heute undenkbar, oder? Viel schwerer wiegt aber die Tatsache, dass damals zwar die ersten Frauen ein Studium absolvieren durften, es ihnen jedoch verwehrt wurde, später im erlernten Beruf zu arbeiten. Auch die Rechte der Arbeiter und Arbeiterinnen und ihr Kampf für gerechteren Lohn und moderatere Arbeitszeiten wird thematisiert.
So habe ich auch bei diesem dritten Band wieder viel gelernt und mit den Figuren mitgefiebert. Wenn man bedenkt, dass die Lindt & Sprüngli AG heute ein erfolgreiches Unternehmen mit einem der höchsten Aktienkurse weltweit ist, dann ist diese Tatsache umso beeindruckender, wenn man die bescheidenen Anfänge in Zürich und vor allem in Bern kennt – ich werde Lindt-Schokolade künftig sicher noch bewusster genießen.
Apropos: Ich muss Euch eindringlich warnen! Es bleibt nicht aus, dass man beim Lesen grooooßen Appetit auf Schokolade entwickelt. Zu ausführlich und atmosphärisch sind die Schilderungen, wenn es um den zarten Schmelz, den köstlichen Duft und die cremige Konsistenz der Lindt-Schokolade geht.
Fazit: Ein gelungener Abschluss der Trilogie, der sich allerdings am besten liest, wenn man die beiden Vorgängerbände auch schon kennt. Tipp: Eignet sich auch ganz hervorragend als Weihnachtsgeschenk, natürlich am besten mit einer Schachtel Lindt-Pralinen.
