Als die Wolken noch süß waren (Bunye Ngene)
„Manche Geschichten überdauern selbst das Vergessen.“
„Als die Wolken noch süß waren“ ist für mich eine leise, berührende Geschichte über Erinnerung, Familie und die Spuren, die ein Mensch hinterlässt. Im Mittelpunkt steht Feyi, die nach dem Tod ihrer deutschen Großmutter ein Haus in Starnberg erbt – und damit zugleich eine Vergangenheit, die ihr bislang fremd war. Durch Briefe und Aufzeichnungen beginnt sie, ihre Großmutter und damit auch einen Teil ihrer eigenen Geschichte kennenzulernen.
Besonders schön finde ich die Idee, dass hier nicht nur ein materielles Erbe weitergegeben wird. Viel wertvoller sind die Erinnerungen, Gefühle und Geschichten, die sich hinter diesem Erbe verbergen. Vergangenheit und Gegenwart verweben sich miteinander und führen Feyi auf eine Reise zwischen Nigeria und Deutschland, zwischen Nähe und Fremdheit, Verlust und Verbundenheit.
Dabei widmet sich Bunye Ngene sensibel großen Themen wie Demenz, Krieg, Liebe, familiären Konflikten und kultureller Identität, ohne dass die Geschichte für mich jemals belehrend wirkt. Gerade die ruhige, empathische Erzählweise lässt vieles lange nachklingen.
Fazit: Ein poetischer Roman über das Vergessen und Bewahren – und über die wundervolle Erkenntnis, dass wir Menschen manchmal erst durch ihre Geschichten wirklich kennenlernen. Ein Buch, das leise beginnt und sich tief ins Herz schreibt.
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