Overthinking um halb drei (Merle Kanter)
„Wenn der Kopf keine Nacht kennt, braucht die Seele ein Licht.“
Es gibt diese Nächte, in denen die Welt längst schläft, während im eigenen Kopf noch alle Lichter brennen. Ein Satz von gestern wird hundertmal gewendet, ein kleines „Was wäre, wenn …?“ wächst zu einem ganzen Gedankenschloss heran – und aus Ruhe wird ein Gedankenkarussell ohne Ausgang.
Merle Kanters „Overthinking um halb drei“ begegnet diesem nächtlichen Kopfkino auf wunderbar verständliche, einfühlsame und zugleich entlastende Weise. Statt
Grübeln als Schwäche abzutun, lädt die Autorin dazu ein, genauer hinzuschauen: Was steckt eigentlich hinter all den Gedanken? Ist es der Wunsch nach Sicherheit, Kontrolle oder die Angst, etwas falsch zu machen?
Besonders schön ist dabei die Botschaft, dass wir unseren Verstand nicht bekämpfen müssen. Nicht jeder Gedanke verdient unsere Aufmerksamkeit, nicht jede Sorge braucht eine Lösung und nicht jede Möglichkeit muss bis zum letzten Ende durchgespielt werden.
Dieses Buch schenkt keine künstliche Stille, sondern etwas viel Wertvolleres: einen neuen, liebevolleren Blick auf das eigene Gedankenleben. Es macht Mut, Abstand zu gewinnen, Gedanken ziehen zu lassen und sich selbst mit mehr Nachsicht zu begegnen.
Fazit: Ein kluger, tröstlicher Begleiter für alle, deren Kopf manchmal bis tief in die Nacht hinein Geschichten erzählt – und die lernen möchten, wieder selbst zu entscheiden, welche davon sie weiterdenken wollen.
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