Filmriss auf Immenhof (Karsten Dusse)
Von Karsten Dusse habe ich die komplette Achtsam-Morden-Reihe gelesen, zunächst mit sehr großer, dann mit etwas nachlassender Begeisterung. Die Geschichte war für mein Gefühl auserzählt und ausgereizt. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich erfahren habe, dass er nun etwas ganz Neues geschrieben hat, noch dazu ein Buch, das an einem Sehnsuchtsort meiner Kindheit spielt: dem Gut Immenhof, dem Ponyhof aus den legendären Filmen der 1950er-Jahre.
Hach, wie gerne hätte ich als Kind dort einmal Urlaub gemacht! Genauso geht es Sophia, der Hauptfigur in diesem Buch. Die Kriminalpsychologin, geschieden, Mutter zweier Teenagertöchter und frisch getrennt von ihrem Lebensabschnittsgefährten Andreas, will sich zu ihrem 45. Geburtstag genau diesen Traum erfüllen. Ganz allein und in Ruhe will sie ihr freies Wochenende genießen. Dumm nur, dass plötzlich Andreas auf der Matte steht und immer lästiger wird.
Eigentlich hat Sophia sich selbst versprochen, es künftig nicht mehr allen recht zu machen. Sie allein will künftig die Zügel für ihr Leben in der Hand halten, selbst die Kontrolle haben. Da passt ihr Andreas‘ Auftauchen so gar nicht in den Kram, zumal er droht, sich in das Leben ihrer Töchter zu drängen. Sophia tüftelt den scheinbar perfekten Mordplan aus, kommt aber an ihrem Geburtstag nicht dazu, ihn auszuführen.
Am nächsten Tag erwacht sie mit einem gehörigen Filmriss in ihrem Hotelbett – und neben ihr auf dem Kopfkissen liegt Andreas‘ Hand. Der Rest ihres Ex ist jedoch spurlos verschwunden. Sophia bleibt nichts anderes übrig, als unauffällig zu ermitteln, auch gegen sich selbst, weil sie keine Ahnung hat, was tatsächlich in der letzten Nacht geschehen ist.
Ich gebe zu, der Einstieg ist mir ein wenig schwer gefallen. Sophia ist eine rational denkende, analytisch-vernünftige Frau, was mir grundsätzlich sehr sympathisch ist. Aber ihre Reaktion, als sie die Hand neben sich auf dem Kissen entdeckt, fällt mir dann doch ein wenig zu kühl, zu überlegt aus. Ich meine: Wer würde denn in dieser Situation nicht erstmal einen erschrockenen Schrei ausstoßen und wie von der Tarantel gestochen aus dem Bett hochfahren? Nun, Sophia jedenfalls nicht.
Dann aber, als sie beginnt zu ermitteln, konnte ich ihr und ihren Gedankengängen wieder gut folgen. Dabei wird die Szenerie immer abstruser: eine lärmende Großfamilie, ein im See versenkter Trecker, ein Herz im Getreidefeld und ein Sommergewitter spielen dabei eine wichtige Rolle. Und während Sophia die vielen losen Fäden aufnimmt und miteinander verknüpft, entwickelt die Geschichte einen Sog, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte, so dass ich das Buch an einem Nachmittag komplett durchgelesen habe.
Auf meinem Blog finden sich noch ein paar Bilder von meinem eigenen Besuch auf Gut Immenhof im Jahr 2014.
Fazit: Eine skurrile Geschichte, gespickt mit dem wunderbaren Wortwitz, für den Karsten Dusse zu Recht bekannt wurde. Ein, wie ich finde, wunderbar passendes Ende und eine Location, die ich dank der TV-Filme sofort vor meinem inneren Auge präsent hatte. Aber auch Nicht-Fans der Immenhof-Filme kommen bei diesem Krimi sicherlich voll auf ihre Kosten.
