Und immer wieder geht die Sonne auf (Elli Poletti)
In dem Roman geht es um Kleo, Anfang 30, der es nach dem Tod ihrer Schwester Sophie förmlich den Boden unter den Füßen wegzieht. Viele Jahre lang hat Sophie gegen den Krebs gekämpft, das komplette Familienleben hat sich darum gedreht, ständig zwischen Hoffen und Bangen geschwankt, bis die Familie schließlich zerbrach und Sophie ihren Kampf verloren hat. Kleo, die ihrer Schwester sehr nahe stand, ist erstmal vollkommen orientierungslos. Das Mitgefühl ihrer Umgebung ist ihr zu viel, vor allem die Fürsorge ihres Freundes Lenny erdrückt sie regelrecht, sie will nur noch allein sein und ihre Ruhe haben.
Da erinnert sie sich an ein Versprechen, das sie Sophie einst gegeben hat: Sophie liebte Seesterne über alles und hat davon geträumt, einmal den Seestern-Strand auf der Isla Colón / Panama zu besuchen. Weil ihr klar war, dass sie das nicht mehr schaffen würde, hat sie Kleo aufgefordert, an ihrer Stelle diese Reise zu unternehmen und Sophie in Gedanken mitzunehmen.
Also macht Kleo sich auf den Weg nach Panama, wo sie in einem kleinen Hostel landet, das von Tommy geführt wird. Anfangs ist Kleo genervt von ihm, doch allmählich finden die beiden in langen Gesprächen mehr übereinander heraus, Kleo schafft es, sich zu öffnen, von ihrem Kummer zu erzählen und sie lernt dabei, dass auch andere Menschen oftmals ein hartes Schicksal zu ertragen haben, was man ihnen nicht immer gleich ansieht. Auch Carlos, der scheinbar gerne Touristinnen aufreißt, hat ein Geheimnis, das er tief in sich vergraben hat. Nur seine melancholischen Augen deuten an, dass da mehr unter der Oberfläche ist als unverbindlicher Charme.
Allmählich fühlt sich Kleo auf der Insel heimisch, sie unterstützt Tommy in seinem Hostel und kümmert sich endlich einmal um sich selbst. Die Trauer um Sophie ist immer noch da, wird aber weniger schmerzhaft und zunehmend durchsetzt von schönen Erinnerungen, die sich unter die schmerzhaften mischen. Und Kleo verliebt sich immer mehr in Carlos – dabei warten zuhause Lenny und ihr bisheriges Leben auf sie. Doch ist es das eigentlich, was Kleo will? All die Jahre hat sie sich so sehr auf Sophie konzentriert, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Träume vollkommen vernachlässigt hat. Nun muss sie herausfinden, welches Leben sie selbst eigentlich führen will …
So ein berührendes Buch! Schon auf den ersten Seiten habe ich heulen müssen, weil Kleos Trauer um Sophie so einfühlsam geschildert wurde, dass ich gar nicht anders konnte als mitzutrauern. Gleichzeitig versprüht diese Geschichte so viel Hoffnung, so viel Leichtigkeit, dass es mir ganz warm ums Herz wurde. Kleos Gefühle waren für mich jederzeit nachvollziehbar, ich habe ihre Zerrissenheit ebenso gespürt wie ihr Herzflattern bei Carlos und ihre Zwiespältigkeit bei Lenny, ihr Verantwortungsgefühl ihrer Mutter gegenüber und auch ihre Wut und Verzweiflung, die sie immer wieder überkommen.
Fazit: Trotz des ernsten Themas rund um Trauer und Verlust ist diese Geschichte mit viel Leichtigkeit und wunderbaren Urlaubs-Vibes erzählt, spielt sie doch zu einem sehr großen Teil an traumhaften Stränden, mit dem Blick aufs Meer, der einfach gut tut. Ein sehr bewegender Roman, der noch lange nachwirkt.
