Jenseits der Dinge (Vera Hohleiter)
„Die Vermessung der Stille.“
Wie sähe die Welt aus, könnten wir in die Köpfe anderer Menschen blicken?
In „Jenseits der Dinge“ entwirft Vera Hohleiter ein ebenso kluges wie eindringliches Szenario: Ein Schweizer Forschungsteam untersucht die Gehirnaktivität buddhistischer Mönche, um zu beweisen, dass Meditation den Menschen weniger manipulierbar macht. Überraschenderweise sind es jedoch noch vor Testbeginn die Forschenden selbst, die zunehmend aus dem Gleichgewicht geraten und so entspinnt sich ein ebenso faszinierendes wie tragisches, kammerspielartiges Drama. Und dann ist da noch Jibong, der südkoreanische Mönch, dessen stille Präsenz und traumatische Vergangenheit wie ein Spiegel wirkt – und den Erfolg der Studie ebenso bedroht wie die inneren Sicherheiten des Teams.
Hohleiter erzählt diese Geschichte nicht plotgetrieben, sondern als vielschichtige psychologische Erkundung. In einer fein komponierten Multiperspektive springt der Roman von Bewusstsein zu Bewusstsein und öffnet Türen zu inneren Räumen voller Zweifel, Sehnsucht und Schmerz. Wissenschaft und Spiritualität verschmelzen dabei auf selbstverständliche Weise, Achtsamkeit, Resilienz und die Frage nach der Manipulierbarkeit des Menschen werden mit erzählerischer Leichtigkeit umkreist.
Fazit: „Jenseits der Dinge“ ist ein leiser, intensiver Roman über Traumata, Ego und die fragile Balance zwischen Erkenntnis und Menschlichkeit. Ein wunderschönes, kluges Debüt – poetisch, tiefgründig und berührend –, das Leser*innen anspricht, die Geschichten lieben, die „unter die Haut gehen“.
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