Der erfundene Planet: Warum wir seit 150 Jahren zum Mars wollen und was uns dort wirklich erwartet
Der Mars ist der einzige Planet, den die Menschheit zweimal entdeckt hat: einmal in ihrer Fantasie und einmal in Wirklichkeit.
Als Giovanni Schiaparelli 1877 rund vierzig feine Linien auf die Marsoberfläche zeichnete, nannte er sie „canali\\\", italienisch für Rinnen. Die englische Übersetzung machte daraus gebaute Kanäle. Innerhalb weniger Jahre entstand daraus das Bild einer sterbenden Zivilisation, die Wasser von den Polkappen in ihre Wüsten leitet. Percival Lowell baute in Arizona eine ganze Sternwarte, um diese These zu belegen. H. G. Wells und Kurd Laßwitz schrieben sie in die Weltliteratur. Und noch 1962 druckte die US Air Force eine Marskarte mit einem Netz gerader Streifen.
Dann, in der Nacht des 15. Juli 1965, funkte Mariner 4 einundzwanzig Bilder zur Erde. Keine Kanäle. Nur Krater.
Dieses Buch erzählt, was seither geschah, und warum die Frage nach dem Mars offener ist als je zuvor.
Es führt von den Viking-Landern, deren Lebensexperiment 1976 anschlug und deren Ergebnis man verwarf, über die sieben Minuten, in denen jede Landung autonom über Erfolg oder Totalverlust entscheidet, bis zu einem Felsen namens Cheyava Falls. Dort fand Perseverance im Juli 2024 Muster, für die es bis heute keine überzeugende nichtbiologische Erklärung gibt. Die Probe steckt in einem Titanröhrchen. Sie liegt noch dort. Das Rückholprogramm der NASA wurde im Januar 2026 gestrichen.
Aus dem Inhalt:
Wie ein Übersetzungsfehler ein halbes Jahrhundert Astronomie prägte
Was der Mars wirklich ist, wenn man alle Projektionen abzieht: sechs Millibar Luftdruck, 38 Prozent Erdschwerkraft, ein 22 Kilometer hoher Vulkan
Warum die Landung schwerer ist als überall sonst im Sonnensystem
Wohin das Wasser verschwand, das einst in Flüssen floss
Der stärkste Kandidat für eine Spur von Leben, den wir je hatten
Warum Peking 2031 die ersten Marsproben auf der Erde haben könnte
Was sechs Monate Strahlung mit einem menschlichen Körper machen
Warum nicht der Hinflug das Problem ist, sondern der Rückflug
Und die Frage, die vor allen anderen beantwortet werden muss: Dürfen wir einen Ort umbauen, an dem vielleicht schon jemand lebt?
Für alle, die verstehen wollen, was gerade wirklich passiert. Ohne Vorwissen, ohne Formeln, ohne Pathos. Mit Karten, Zeitleisten und Infoboxen, die komplizierte Dinge einfach machen, aber nicht falsch.
Ein Sachbuch über den rostroten Nachbarn, das seine wichtigste Erkenntnis über uns selbst gewinnt: Jede Epoche projiziert ihre eigenen Themen auf den Mars. Die Kanalzeit sah dort eine bedrohte Hochkultur. Wir sehen ein Rettungsboot. Beides sagt mehr über die Erde als über den Mars.
