Atme, Bella – wenn du kannst (Angelika Godau)
„Manchmal tarnt sich das Gefängnis als Rettung.“
Mit „Atme, Bella – wenn du kannst“ entführt Angelika Godau ihre Leserinnen und Leser in einen düsteren Märchenwald der menschlichen Psyche – dorthin, wo nicht jeder Retter tatsächlich einer ist und hinter vermeintlicher Geborgenheit eine ganz andere Wahrheit lauern kann.
Bella ist 26, voller Sehnsucht nach Freiheit und doch gefangen zwischen den Erwartungen ihrer kontrollierenden Mutter und den eigenen Ängsten. Als sie während einer Panikattacke Tom begegnet, scheint plötzlich jemand da zu sein, der sie versteht, beruhigt und auffängt. Doch was wie eine helfende Hand beginnt, verwandelt sich langsam in ein Netz aus Manipulation, Kontrolle und Abhängigkeit.
Besonders gelungen fand ich, wie unheimlich leise sich diese Veränderung vollzieht. Nichts geschieht einfach von jetzt auf gleich – vielmehr schleicht sich die Bedrohung Schritt für Schritt in Bellas Leben. Gerade dadurch wird ihre Geschichte so beklemmend und emotional. Man möchte ihr zurufen, die Warnzeichen zu erkennen, und fiebert gleichzeitig mit ihr mit.
Der Atem wird dabei zum eindringlichen Symbol für Bellas Kampf um Freiheit: Wer nimmt ihr die Luft zum Leben – und wer hilft ihr, wieder frei zu atmen?
Fazit: Ein spannender, psychologisch fesselnder Genrewechsel der Autorin, der zeigt, dass die gefährlichsten Käfige manchmal dort entstehen, wo man sich eigentlich geborgen fühlen wollte.
🌬️🌬️🌬️🌬️🌬️ | 5
