Der verlorene Otto (Doris Dörrie | Dorothea Schmuck)
„Wer sich verirrt, entdeckt manchmal den Weg zurück ins Glück.“
Manchmal wird die Welt zu eng, die Ermahnungen zu laut und die Sehnsucht nach Freiheit so groß, dass man am liebsten einfach davonlaufen möchte. Genau dieses Gefühl fängt Doris Dörrie in „Der verlorene Otto“, liebevoll illustriert von Dorothea Schmuck, auf wunderbare Weise ein. Otto hat genug und zieht hinaus in die Welt, fest entschlossen, sein eigener Herr zu sein. Doch was zunächst nach grenzenlosem Abenteuer klingt, verändert sich, als die Dunkelheit hereinbricht und die Geborgenheit des Zuhauses plötzlich fehlt.
Besonders schön finde ich, wie selbstverständlich diese Geschichte große Gefühle in eine kindgerechte Erzählung verwandelt. Ohne erhobenen Zeigefinger erzählt sie vom Trotz, vom Mut, eigene Erfahrungen zu sammeln, und von der tröstlichen Erkenntnis, dass Freiheit und Geborgenheit einander nicht ausschließen. Die moderne Interpretation des Gleichnisses vom verlorenen Sohn erinnert daran, dass Irrwege zum Leben gehören und Fehler nicht das letzte Wort haben müssen.
Fazit: Für mich liegt der Zauber dieses Bilderbuches in seiner warmherzigen Botschaft: Wir dürfen hinaus in die Welt, uns ausprobieren und auch einmal falsch abbiegen. Denn manchmal erkennt man erst in der Ferne, was das Herz wirklich sucht. Ein berührendes Buch über das Heimkommen, das Verzeihen und jene Liebe, die wie ein kleines Licht selbst durch die dunkelste Nacht leuchtet.
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